Aus dem Englischen von Tanja Handels. Wie hat George Eliots Liebesleben ihr Schreiben beeinflusst? Warum hat Kafka morgens um fünf geschrieben? Worin ähneln sich Barack Obama und Eliza Doolittle? Kann man bei einer Oscar-Verleihung overdressed sein? Was ist italienischer Feminismus? Wenn Roland Barthes den Autor getötet hat, kann ihn dann Nabokov wieder zum Leben erwecken? Und ist "Date Movie" der schlechteste Film aller Zeiten? Journalistische Arbeiten im weitesten Sinne: vom Feinsten, intelligent und lustig, ein Geschenk für Leser und Schriftsteller. Ein Essay ist mehr als eine Kolumne, in der jemand eine Meinung kundtut. Hier wird er zu einem hellen Raum, in dem frei gedacht wird.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.07.2015
In der Essays-Sammlung "Sinneswechsel" der britischen Autorin Zadie Smith ist von Gedanken über George Clooney und das Oscar-Wochenende bis zur Lektüre Nabokovs mit Roland Barthes so ziemlich alles zu finden, berichtet Sandra Kegel. Smith beschreibt ihren eigenen Schreibprozess, der sich immer kleinstteilig und fortlaufend gestaltet, niemals strategisch planend, und in immer größerem Maß um das Verhältnis von Herkunft und Identität kreist, erklärt die Rezensentin. In den dezidiert politischen Essays bezieht Smith Stellung gegen die romantisierende, verklärende Gegenwartsliteratur, die den Problemen schwarzer Frauen mit ausgewalzter "Grußkartenpoesie" beizukommen meinen, so Kegel, die von den Einblicken in Smiths Denkwelt sehr angetan scheint.
Katharina Granzin ist ganz froh über die unterschiedliche Güte der Texte in diesem im Original bereits 2009 erschienenen Band mit "Gelegenheitsessays" der Schriftstellerin Zadie Smith. Die Autorin scheint ihr dadurch menschlicher zu werden. Das gelingt allerdings nur, weil die Texte über Kafka, Fellini-Klassiker oder den Vater der Autorin, ein, wie Granzin schreibt, souveräner Erzählton eint und die Fähigkeit der Verfasserin, im Privaten das Allgemeine, im Öffentlichen das Persönliche zu erkennen und sichtbar zu machen. Am besten gefallen Granzin die Texte, deren Themen und Motive oder Personen spürbar die Fantasie der Autorin beflügeln. Weniger überzeugt ist sie naturgemäß von Smiths Pflichtübungen für Zeitungen und Magazine, die der Band gleichfalls enthält.
Mit ihrem Essayband "Sinneswechsel" stellt Zadie Smith klar, worüber wenigstens die deutsche Kritik sich bisher unsicher war, berichtet Ijoma Mangold. Man konnte oder wollte nicht ganz glauben, dass eine so junge, schöne Frau schon eine ernst zu nehmende Literatin sein soll, so der Rezensent. Die versammelten Essays lassen an der intellektuellen Wehrhaftigkeit der Autorin nun definitiv keinen Zweifel mehr, verspricht Mangold begeistert, der angesichts der argumentativen Verve eines Textes über Joseph O'Neill und Tom McCarthy sogar selbstkritisch zugibt, sich vielleicht zu sehr an "die herrschende Realismus-Monokultur" in der Literatur gewöhnt zu haben.
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