Vivien Stein

Heinz Berggruen

Leben und Legende
Cover: Heinz Berggruen
Edition Alpenblick, Zürich 2011
ISBN 9783033030220
Gebunden, 576 Seiten, 28,90 EUR

Klappentext

Als Heinz Berggruen Anfang 2007 mit 94 Jahren starb, wurde er in Berlin wie ein Staatsoberhaupt verabschiedet: Alle Medien des Landes würdigten ihn als Mäzen und "Museumsstifter", als "Monument der Versöhnung" und "moralische Instanz". Mit 22 in die USA ausgewandert, kam der Sohn eines jüdischen Schreibwarenhändlers sechzig Jahre später als international erfolgreicher Kunsthändler wieder und brachte eine legendäre Sammlung mit, die er im Jahr 2000 dem deutschen Staat als "Geste der Versöhnung" übereignete. Es war, wie die FAZ schrieb, "der größte staatliche Kunsterwerb seit Fürstenzeiten". Unzählige Artikel sind über ihn verfasst worden, und zumal er selbst einige autobiografische Werke hinterließ, scheint bereits alles bekannt. Und doch blieb Wesentliches ungesagt.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.01.2012

In seiner Kunststück-Kolumne kommt Eduard Beaucamp noch einmal auf Viven Steins Buch über Heinz Berggruen zurück, das bei ihm einen gemischten Eindruck hinterlassen hat. D'accord geht er mit ihr, wenn sie die Legenden zertrümmert, die Berggruen über sich und sein Leben mit den glamourösen Größen der Kunstwelt gesponnen hat. Auch ihre Sicht auf Berggruen als einen großen manipulator scheint er zu teilen und führt etliche Zitate an, ohne jedoch ihre Herkunft zu nennen. Nicht einverstanden ist er mit Steins Einschätzungen in Bezug auf den Wert der Kunstsammlung und die Umstände ihres Erwerbs durch Berlin. Ohne "sentimentale Tricks" und philosemitische Anwandlungen, meint Beaucamp, wären die Stadtpolitiker niemals bereit gewesen, 250 Millionen Mark für die Sammlung auszugeben.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 03.12.2011

Schweres Geschütz fährt die Kunsthistorikerin Vivien Stein nach Ansicht von Christian Herchenröder auf, um den Mythos des deutsch-jüdischen Kunsthändlers Heinz Berggruen zu zerstören. Das findet er durchaus "problematisch". Denn die Argumentation der Autorin scheint ihm erkennbar von dem Motiv geleitet, den Kunstsammler in ein ungünstiges Licht zu stellen, ihn zu diskreditieren. Dabei bietet Stein seines Erachtens kaum neue Fakten. Er wundert sich allerdings über die Vehemenz, mit der die Autorin jede noch so beiläufige Äußerung als ein "kompromittierendes Dokument" nutzt. Das Bild Berggruens als gierigem Profiteur, dem Geld immer vor Kunst gegangen sei und der sein Judentum strategisch für seinen Vorteil eingesetzt habe, findet Herchenröder viel zu negativ, teilweise spekulativ und einseitig.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 16.11.2011

Die Kunstwelt ist eine üble Schlangengrube, meint Sebastian Preuss. Kann also gut sein, dass Kunsthändler Steuern hinterziehen, Museen austricksen und zu Projektionsflächen von Versöhnungssehnsüchten werden. Der Rezensent hätte gern Belege, doch was Vivien Stein hier gegen Heinz Berggruen vorbringt, sind Anwürfe, Vermutungen und Hörensagen. Der "penetrant polemisch-wütende" Ton des Buchs missfällt dem Rezensenten, über die Triftigkeit seines Inhalts hält er sich zurück. Wer will das schon entscheiden?, fragt er ein bisschen  harmlos. Etwas weniger von diesem "üblen Ingrimm", schließt Preuss, und das Buch hätte "ein Sittenbild des Kunsthandels" werden können.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 12.11.2011

Der Kunsthändler Heinz Berggruen, 1914 in Berlin geboren und 2007 in Paris gestorben, wurde in Berlin (und in der FAZ) verehrt: weil er als Jude nach Deutschland zurückgekommen war, weil er eine bedeutende Kunstsammlung besaß, die er an die Bundesrepublik verkaufte, und weil er ein Kosmopolit war, der in New York ebenso zu Hause war wie in Paris, in London ebenso wie in Berlin. Nach der Lektüre von Vivien Steins Berggruen-Biografie fragt sich Rezensent Stephan Speicher allerdings, ob Politiker und Journalisten hier nicht einem schlauen Geschäftemacher auf den Leim gegangen sind. Stein beschreibt akribisch, so Speicher, wie Berggruen Museen in Paris, London und New York mit der Aussicht köderte, ihnen seine Sammlung zu überlassen und so allerlei finanzielle Vorteile für sich herausschlug. Auch Steuern habe er praktisch nie bezahlt. In Berlin hatte man davon keine Ahnung, oder hat sich nicht dafür interessiert, kritisiert Speicher, der allerdings auch zugibt, dass nicht alle Vorwürfe Steins belegt sind. Dennoch hat für den Rezensenten das Weltbürgertum Berggruens "etwas Trübes" bekommen.
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