Viola Roggenkamp

Tochter und Vater

Roman
Cover: Tochter und Vater
S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2011
ISBN 9783100660671
Gebunden, 269 Seiten, 18,95 EUR

Klappentext

Paul war kein Held, urteilt die Tochter über ihren Vater. Und ausgerechnet er hat seine jüdische Geliebte und deren Mutter vor der Deportation gerettet: Papiere gefälscht, die Gestapo in Berlin ausgetrickst und in Krakau im Schleichhandel Geld gescheffelt auf Kosten der Nazis. Wie hat er das gemacht? Genügt es, verliebt und jung zu sein? Er hatte Angst, und er war nur ein kleiner Angestellter. Um auf seiner Beerdigung eine Rede zu halten, spürt die Tochter seinem Leben nach und gerät dabei in eigene Katastrophen. Viola Roggenkamp erzählt ebenso leicht wie bildmächtig die Geschichte einer Vater-Tochter-Beziehung und die Suche nach der Vergangenheit als Weg ins eigene Leben.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.10.2011

Überschwänglich lobt Rezensent Hans-Jürgen Schings diesen neuen Roman von Viola Roggenkamp, den er uns als einen "Anti-Ödipus" empfiehlt. Er erzählt von einer Juristin, Tochter einer jüdischen Mutter, die ihr Studium abgebrochen hat, weil sie sich doch nicht vorstellen konnte, jemals einen Deutschen zu verteidigen. Mit dem Tod ihres deutschen Vaters erkennt sie, dass er nicht der glanzlose Brillenvertreter war, für den sie ihn immer gehalten hat. Sie gräbt sich in die Tiefen ihrer Familienvergangenheit und erkennt in ihrem Vater einen Mann, der in seiner bescheidenen Art eigentlich "acht Jahre lang jeden Tag ein Held" war. Und auch die überschäumende Liebesgeschichte der Eltern findet der Rezensent ganz wunderbar und sehr ergreifend erzählt, wobei er sehr nachdrücklich darauf hinweist, dass Roggenkamp jedes Pathos vermeidet.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 23.07.2011

Anja Maiers Rezension lässt - zumindest zwischen den Zeilen - vermuten: Viola Roggenkamp ist mit "Tochter und Vater" eine vielschichtige Erzählung über den Umgang mit dem Tod eines geliebten Menschen gelungen. Nach dem Tod von Paul bleiben dessen Frau Alma und die gemeinsame Tochter nicht nur mit ihrer Trauer, sondern auch mit der Frage zurück: Wer war ihr Paul eigentlich? Der Held, der einst die Jüdin Alma und ihre Mutter von Hamburg nach Krakau holte, um sie vor der Bombardierung durch die Royal Air Force zu schützen? Oder der ewig magenkranke Brillenvertreter, der gemeinsam mit Schwiegermutter, Frau und Tochter an den Folgen des Holocaust leidet? Auf der Suche nach der Identität ihres Vaters, so erzählt die Rezensentin weiter, begibt sich die Tochter nach Krakau und erfährt, dass Paul einerseits ein wichtiger Verbindungsmann zu den NS-Behörden war, zugleich aber auch monatelang in einer Strafkolonie leiden musste. Nach der Lektüre weiß die Kritikerin: die Wahrheit hat viele Facetten.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 18.07.2011

Beeindruckt berichtet Jürgen Verdofsky von seiner Lektüre dieses neuen Romans von Viola Roggenkamp, die auch in "Tochter und Vater" an ihrem Lebensthema arbeitet: das Schicksal jüdischer Familien in Deutschland während des Holocausts und danach. Im neuen Roman geht es um Paul und seine Liebe zu dem jüdischen Mädchen Alma, das er zusammen mit der Mutter vor der Verfolgung der Nazis schützt. Jahrelang schützt er sie, versorgt sie mit falschen Papieren und versteckt sie ausgerechnet im besetzten Polen. Bemerkenswert findet der Rezensent, der sich im Übrigen mit Urteilen zurückhält, besonders Roggenkamps "experimentelle" Technik, die die Gesetze des Erzählflusses außer Kraft setze, indem sie immer wieder neu ansetze. Die titelgebende Tochter will Pauls Geschichte bewahren, bohrt immer wieder nach und verhandelt Fragen über Schuld und Unschuld, Anstand und Versagen. Am Ende weiß Verdofsky: "Es gibt keine Idee vollendeter Rettung, guter Vorsatz genügt nicht."
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