Victor Catala

Solitud

Roman
Cover: Solitud
SchirmerGraf Verlag, München 2007
ISBN 9783865550422
Gebunden, 256 Seiten, 18,80 EUR

Klappentext

Aus dem Katalanischen von Petra Zickmann. Mit einem Nachwort von Jordi Punti. Caterina Albert i Paradis, die nur unter männlichem Pseudonym veröffentlichen durfte, schuf noch vor Federico Garcia Lorca und D.H. Lawrence das Porträt einer jungen Frau, die sich aus der Einsamkeit der katalanischen Bergwelt und ihrer unbefriedigenden Ehe befreit.
"Solitud", erstmals erschienen 1905, war unter Franco vierzig Jahre lang verboten gewesen. Die radikal modernistische Sprache und die psychologische Tiefe, mit der Caterina Albert das sexuelle Erwachen der jungen Bäuerin Mila schildert, haben auch hundert Jahre nach Entstehen des Romans nichts an Intensität verloren.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 14.02.2008

Kersten Knipp begrüßt diese Ausgabe von Victor Catalas Roman "Solitud", der vor hundert Jahren für einen handfesten Skandal sorgte und den er zum "katalanischen Modernismus" zählt. Er berichtet, dass es sich bei dem Namen Catala um ein Pseudonym der 1869 geborenen Katalanin Caterina Albert handelt. Angesichts der heftigen Kritik, die der Roman über die von ungestilltem Verlangen getriebene junge Bäuerin Mila einstecken musste, kann er gut verstehen, dass die Autorin ein männliches Pseudonym wählte. Die Skandalwirkung des Romans erklärt Knipp zum einen aus der Schilderung des unbefriedigten sexuellen Begehren Milas, die sich entscheidet, ihren einfältigen, öden Mann zu verlassen, zum anderen aus der hämischen Entlarvung sämtlicher Klischees und Bilder der Bergwelt, die den naturverbundenen katalanischen Nationalisten und Patrioten so wichtig waren.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25.01.2008

Dieser Roman erschien im Original vor 100 Jahren, hinter dem Autor Victor Catala steckt die Autorin Caterina Albert, berichtet der hier rezensierende Eichstätter Romanistikprofessor Winfried Wehle. Die junge Mila heiratet einen älteren Mann und zieht mit ihm ins Gebirge, wo die beiden als Pächter auf einem Gut mit Wallfahrtskapelle leben. Für Wehle geht es in dem Roman um die Frage, ob das einfache Leben in der Natur dem Stadtleben vorzuziehen sei. Die Antwort ist wohl ein glattes Nein. Mila erlebt blutige Riten, Vergewaltigung, Mord. Doch das alles wird mit "stilistischem Raffinement" beschrieben, versichert Wehle, der im Thema erste Hinweise auf die Moderne erkennt.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 09.10.2007

Literarisch gesehen muss man diesen Roman von Caterina Albert alias Victor Catala über ein junges Ehepaar in der katalanischen Einöde nicht unbedingt lesen, gibt Rezensent Merten Worthmann zu Protokoll. Gut bedient ist, wer sich am "gewaltig aufbrausenden Ton" der Autorin delektieren kann oder ihre Chuzpe bewundert, im Jahr 1905, als die Romantik der Bergwelt noch als unantastbar galt, einen Anti-Heimatroman zu schreiben. Alberts Roman ist für Worthmann quasi das Gegenstück zu Maria Barbals "Wie ein Stein im Geröll", der 1985 erschien und ebenfalls in diesem Jahr ins Deutsche übertragen wurde. Während Barbal sich dem Horizont ihrer bäuerlichen Protagonisten anpasse, vergesse man bei Albert nie, dass hier eine urban geprägte Bildungsbürgerin aufs Land blickt. Dass der Milchstrahl aus dem Ziegeneuter wie eine "Elfenbeinnadel" aussehe, diese Metapher nimmt Worthmann den Protagonisten einfach nicht ab. Und so wird er nie richtig hineingezogen in die Geschichte und bleibt, ebenso wie Albert, immer ein bisschen außerhalb.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 04.10.2007

Rezensent Christoph Schröder betrachtet es als unerwarteten Glücksfall, dass der Katalonien-Schwerpunkt der Buchmesse 2007 diesen, seinen Informationen zufolge vierzig Jahre lang verbotenen Roman aus dem Jahr 1905 in neuer "geschmeidiger" Übersetzung auf "den Markt gespült" hat - Schröder zufolge ein "sinnliches Sittengemälde" des katalanischen Landlebens um 1900", dass er in einer bild- und vokabelreichen Sprache beschrieben fand. Hinter dem männlichen Autorennamen verberge sich die 1966 mit 97 Jahren verstorbene Caterina Alberti i Paradis, die in den ersten Kapiteln des Romans auf für Schröder beeindruckende Weise zunächst eine Landschaftsbühne aufgebaut hat, in der sich "Verzauberung und Schrecken" die Waage halten. Hier trifft man seinen Beschreibungen zufolge auf Mila und Matias, ein Ehepaar in der Krise, das nach langer Wanderung Zuflucht in einer Einsiedelei gefunden hat, zu dessen Hausherrn, einem Schäfer, Mila Vertrauen fasst. Dem Roman gelingt aus Sicht des Rezensenten das Psychogramm einer Frau, die vor ihrer eigenen Liebesfähigkeit erschrickt. Auch hundert Jahre nach seinem Entstehen hafte der Sprache des Romans nichts Anachronistisches an.