Verena Stefan

Fremdschläfer

Roman
Cover: Fremdschläfer
Ammann Verlag, München 2007
ISBN 9783250601159
Gebunden, 382 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

Sich als fremder Körper erfahren in einem neuen Land und zugleich einen Fremdkörper entdecken im eigenen Leib. In Verena Stefans neuem Roman überkreuzen und ergänzen sich die beiden Grunderfahrungen Krankheit und Immigration in sehr persönlicher und poetischer Weise. In einem faszinierenden Erzählreigen entrollt die Autorin die Geschichte ihrer Herkunft und ihrer Ankunft in Kanada. Inmitten der mühsam-beglückenden Erfahrung des Ankommens tritt die Erfahrung des geschwächten Körpers auf. Doch ist da auch die Liebe, die die Neugier und Sehnsucht auf und nach dem Leben stillt. Eine feinsinnige Beobachterin, die für alle Überraschungen am Wegrand kritisch offen ist, findet poetische Metaphern für ein Leben, das nicht nur gradlinig verläuft. Dezidiert setzt sie ihre unmittelbaren Innen- und Außenerfahrungen um in Vitalität, Standhaftigkeit, Gedankenstärke und Gestaltungswillen.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 13.02.2008

Der Roman "Fremdschläfer" der 1947 in Bern geborenen und heute in Kanada lebenden Verena Stefan hat Eindruck auf Ulrich Baron gemacht. Das aus der Schweizer Amtssprache stammende Wort "Fremdschläfer" - es bezeichnet dort einen nicht an seinem angegebenen Schlafplatz nächtigenden Asylbewerber - wird von der mit ihrem feministischen Roman "Häutungen" von 1975 bekannt gewordenen Autorin auf die Erzählerin gemünzt, die im fremden Kanada ihr Leben zu meistern sucht. Dazu kommt eine Krebserkrankung, die die Wahrnehmung des Fremdseins bis in den eigenen Körper hinein verfolgt, teilt der Rezensent mit, der beeindruckt feststellt, dass Stefan sowohl mit der Sprache wie mit dem Inhalt ihres Romans Neuland betritt.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 21.11.2007

Über dreißig Jahre nach ihrem Buch "Häutungen", das unter Studentinnen eine Bibel des Feminismus war, hat Verena Stefan einen Roman über die Liebe zwischen zwei Frauen geschrieben, die mit einer Krebserkrankung fertig werden müssen, teilt Martin Krumbholz mit. Erleichtert stellt er fest, dass die heute in Kanada lebende Schweizer Autorin mittlerweile nicht nur die konsequente Kleinschreibung abgelegt hat, sondern zudem auch einen Humor an den Tag legt, der ihrem Frühwerk noch völlig abging. Stefan begegnet auch in ihrem jüngsten Buch der Sprache mit Vorsicht, aber anstatt sie lediglich als patriarchales "Herrschaftsinstrument" zu interpretieren, spielt die Autorin mit den Bedeutungsebenen und untersucht ihre gesellschaftliche Relevanz, wie es sich bereits beim Titel "Fremdschläfer" zeigt, ein Wort, das in der Schweiz einen nicht an seinem zugewiesenen Ort schlafenden Asylbewerber bezeichnet, bei Stefan dagegen die Bedeutung von "mit einer Fremden schlafen" annimmt, erklärt der Rezensent, den dieses Buch, das allerdings  seiner Ansicht nach die Gattungsbezeichnung "Roman" zu Unrecht trägt, sehr eingenommen hat.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 08.11.2007

Kurz und beeindruckt lobt Rezensentin Dorothea Dieckmann das neue Buch von Verena Stefan, das sie als klug und anrührend preist. Es geht, wie sie schreibt, um zwei Ländern, in denen sich die Autorin nicht einrichten könne: um Kanada und die Krankheit Krebs. Dazwischen sind wohl autobiografische Exkurse untergebracht. Auch in diesem Buch scheint das Talent der Autorin ein große Rolle zu spielen, Sprache auf ihren substanziellen Kern zu reduzieren. Ein Talent, das schon Stefan Epoche machendes Buch "Häutungen" für die Rezensentin ausgezeichnet hat.
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