Christian Zehnder

Gustavs Traum

Erzählung
Cover: Gustavs Traum
Ammann Verlag, Zürich 2008
ISBN 9783250601203
Gebunden, 100 Seiten, 17,90 EUR

Klappentext

"Ich will nicht Restaurator werden!"Das Erbe des Vaters anzutreten, in seine handwerklichen Fußstapfen zu steigen, dazu wollen sich weder Gustavs Finger recht fügen noch sein Geist. Ein hoch durchlässiges Wesen aus einer längst vergangenen Zeit scheint er zu sein, mit einer Strenge gegenüber einer schnellebigen Welt und jener gewissen Empfindsamkeit, der allenfalls seine geliebte Frau Veronika nahekommt. Eine sprachlos-schweigsame Verbindung hält sie beieinander, denn zusammen müssen sie es aushalten, dieses Schwanken zwischen tiefer Enttäuschung an der Wirklichkeit und dem großen Glück an ihr und an sich. Dominik, ihrer beider Sohn, der, verstört über die mangelnde Lebenskraft seiner Eltern, doch auch unverkennbar ihr Nachkomme und Beschützer ist, muß sich auf seinen eigenen Weg machen, um zu merken, wie fremd auch ihm die Welt mit ihren zeitgenössischen jungen Menschen darin vorkommt.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 21.08.2008

Rezensent Rolf-Bernhard Essig kann sich mit Christian Zehnders Erzählung "Gustavs Traum" nicht wirklich anfreunden. Zeitlose Themen wie Veränderung, Sehnsucht nach dem Verschwundenen, Enttäuschungen, Jahreszeiten sieht er von dem Autor behandelt und zwar in "alter Manier", jenseits des modernen oder auch nur zeitgenössischen Erzählens. Zehnders Sprache wirkt auf Essig, "als sei seit Eichendorffs Tod ein Monat erst vergangen". Das Epigonale scheint Essig hier Programm, er sieht Stifters "sanftes Gesetz" walten, vernimmt den hohen Ton Hölderlins und die Eindringlichkeit von Büchners Lenz, findet zahllose romantische Motive und Konstellationen. Und fragt schließlich, was das Ganze eigentlich soll. Eine Antwort darauf hat er nicht. Immerhin hat ihm die Lektüre manchmal ein wenig Vergnügen bereitet, manchmal auch Bauchgrimmen. "Doch am Ende löst sich", so der Rezensent, "das Zauberwerk rasch auf in nichts."

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 13.08.2008

Ungewöhnlich und deshalb beachtlich findet Rainer Moritz dieses "verträumte" Debüt des jungen Berner Autors Christian Zehnder, da es thematisch so gar nichts mit den gegenwärtigen Werken seiner Kollegen gemein habe. Die schmale Erzählung handelt von Gustav, seiner großen Liebe Veronika und einer Reise, die sie mit dem gemeinsamen Sohn nach Gustavs frühem Tod unternimmt. In einem "surreal verspielten" Ton entziehe sich Zehnder dabei jeder Form von Zuordnung und platziere sein Familiendrama jenseits von Zeit und Raum, stellt der Rezensent anerkennend fest. Etwas melancholisch, aber dennoch heiter erwache der Leser aus der Handlung, prophezeit Moritz. Die couragierte Prosa des Autors sei aber gleichzeitig ein Wagnis, gibt der Rezensent einschränkend zu bedenken. Nicht immer gelinge es Zehnder, die Grenze zwischen "suggestiver Sprache und Gefühlskitisch" zu wahren.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 06.08.2008

Gelegentlich stößt sich Michael Angele ein bisschen an der zu manieristischen Erzählweise von Christian Zehnders Debüt "Gustavs Traum", und er findet, dass es dem Autor nicht immer gelingt, Anflüge von Kitsch zu vermeiden, doch insgesamt lässt er sich von der träumerischen Atmosphäre des Buches gefangen nehmen. Überhaupt hat ihn besonders die Übereinstimmung von "Form und Inhalt" dieser Geschichte, in der eine seltsame Familie durch eine zeitlos scheinende Stadt zieht, beeindruckt und ihn nicht selten an Peter Handke oder gar Hugo von Hofmannsthal denken lassen. Manche Sätze findet der Rezensent so "schön", dass er sie sich herausschreiben muss, und zudem stellt er eingenommen fest, dass Zehnder seinen "Retro-Ästhetizismus" gelegentlich durchaus auch ironisch bricht.
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