Axel Gotthard

In der Ferne

Die Wahrnehmung des Raums in der Vormoderne
Cover: In der Ferne
Campus Verlag, Frankfurt am Main 2007
ISBN 9783593384931
Gebunden, 245 Seiten, 24,90 EUR

Klappentext

Anhand von Berichten über das Reisen und Umherziehen in Mittel-, Süd- und Westeuropa untersucht Axel Gotthard die Raumbezüge der Menschen vom ausgehenden Mittelalter bis zum Beginn der Aufklärung. Gereist sind die Menschen damals aus vielfältigen Gründen: Patrizier knüpften neue Handelsbeziehungen, Handwerksgesellen gingen auf die Walz, Pilger suchten das Seelenheil, Adlige absolvierten die Kavalierstour. Was erlebten diese Menschen unterwegs als fremd, in welche Heimat sehnten sie sich zurück? Reisende, erfahren wir, identifizierten sich als Franken oder Bayern, als Katholiken oder Juden, nicht als Deutsche oder Franzosen. Grenzen wurden kaum wahrgenommen. Der Band führt vor Augen, in welchem Maße Nationen und Grenzen ein Konstrukt der Neuzeit sind, und bietet faszinierende Einblicke in die Mentalität der Menschen in der Vormoderne.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 26.11.2007

Hochinteressant findet Barbara Stollberg-Rilinger das Thema von Axel Gotthards Buch zur Raumwahrnehmung des vormodernen Menschen, aber insgesamt ist sie damit dennoch nicht recht glücklich. Der Autor, Historiker der Frühen Neuzeit, zeigt vornehmlich an Reisebeschreibungen, dass der Raum hauptsächlich aus der Perspektive des Wanderers wahrgenommen wurde, der eher noch als politische oder konfessionelle Unterschiede verschiedener Gegenden Ortschaften und ihre Entfernungen voneinander registrierte, so die Rezensentin. In seinem essayistischen Streifzug spreche Gotthard viele interessante Punkte an, wie zum Beispiel das Heimatgefühl, das nicht an Herrschaftsgebiete, sondern an vertraute Landstriche gebunden war oder die unterschiedlichen Kriterien, was als "teutsch" empfunden wurde, meint Stollberg-Rilinger. Aber sie bedauert, dass der Autor diesen Fragen nicht systematisch auf den Grund zu gehen versucht und stattdessen mal im Plauderton, mal etwas lehrerhaft seine Lektürefunde zum Besten gibt. Und so wirkt das Buch auf sie so ein bisschen wie das Ergebnis einer Suchmaschinen-Recherche und die Beobachtung, dass ungefähr ein Viertel des Buches durch Anmerkungen eingenommen wird, facht ihre Leselust auch nicht gerade an.
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