Uwe Soukup

Ich bin nun mal Deutscher

Sebastian Haffner. Eine Biografie
Cover: Ich bin nun mal Deutscher
Aufbau Verlag, Berlin 2001
ISBN 9783351025267
Gebunden, 344 Seiten, 20,40 EUR

Klappentext

Sebastian Haffner, bekannt vor allem durch die vieldiskutierte "Geschichte eines Deutschen", musste 1938 nach England emigrieren und verdiente sich den Unterhalt als politischer Redakteur des "Observer", ab 1954 als dessen Auslandskorrespondent in Berlin. Sebastian Haffners Reflexionen haben die Öffentlichkeit nicht selten polarisiert: Für die einen galt er als "das moralische Gewissen Deutschlands", den anderen schien er ein Opportunist und Kalter Krieger zu sein. Uwe Soukup schildert die Lebensgeschichte dieses "Historikers wider Willen" und reflektiert zugleich die Schlüsselereignisse der deutschen Geschichte des 20. Jahrhunderts.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 28.12.2001

Sehr beeindruckt zeigt sich Rezensent Alex Rühle vom Lebenswerk Sebastian Haffners und nennt ihn dank seiner Weitsicht und Unbeirrbarkeit einen Geistesverwandten Winston Churchills. Deshalb findet Rühle es auch nur angemessen, dass es jetzt drei Wiederauflagen bzw. Neuveröffentlichungen von und über Sebastian Haffner gibt:
1.) Sebastian Haffner: "Churchill"
Bei diesem Biografie Haffner über Winston Churchill handelt es sich um eine Wiederauflage des 1967 erstmals veröffentlichten Buches. Nach Ansicht des Rezensenten merkt man der Biografie die Bewunderung an, die Haffner für Churchill empfand, ja er findet sogar, dass Haffner den britischen Politiker und "bulligen Einzelgänger in lustvoller Emphase feiert". Trotzdem verliere Haffner nicht seine kritische Distanz und werde seinem Forschungsobjekt gerade deshalb gerecht, so Rühle, "weil er auch Churchills Schwächen scharf ausmodelliert", z.B. seinen Starrsinn, seinen Machthunger und auch seine Sympathien für die Anfänge des Faschismus.
2.) Sebastian Haffner: "Schreiben für die Freiheit. 1942-1949"
Der Rezensent zeigt sich ziemlich beeindruckt von den hier kompilierten Texten, die Haffner einst für den Observer, die bedeutendste liberale englische Zeitung geschrieben hat und findet, dass sie auch 60 Jahre nach ihrem Erscheinen noch lesenswert sind, weil sie "Ironie und kühle Analyse, feinkörnige Alltags-Beobachtung und erfundenen Szenarien kunstvoll" miteinander verbinden. Was Rühle besonders gefällt: Haffner kann pointiert erzählen und scharf- und weitsichtig analysieren. Diese Kombination hebe ihn ganz deutlich von den "blassgrauen Leitartikeln seiner Zeit" ab. Ein interessantes Dokument ihrer Zeit sind die Texte nach Rühles Ansicht zudem auch noch. Sie machten deutlich, "wie viele Optionen nach dem Krieg durchgespielt wurden" hinsichtlich des Neugestaltung Europas und der Welt. Die Verwirrung darüber, was nun zu tun ist, die sich durch die Leitartikel dieser Zeit gezogen habe, finde sich zwar auch in Ansätzen bei Haffner - gerade das aber macht nach Rühles Meinung deutlich, wie die politische Wirklichkeit "sich aus einer Gemengelage von Fakten und Möglichkeiten, Wünschen und strategischen Zwängen ... herausgeschält hat".
3.) Uwe Soukup: "Ich bin nun mal Deutscher. Sebastian Haffner. Eine Biografie"
Gar nicht begeistert ist Rühle hingegen von der Biografie, die der Verleger Uwe Soukup über Sebastian Haffner geschrieben hat. Seiner Ansicht nach hat der Autor "die Chance des Nachgeborenen" vertan, "der aus der Retrospektive ein ganzes Leben überblicken kann". Statt dessen hangele sich Soukup brav und fleißig an der Lebensgeschichte Haffners entlang und schaffe es nicht "den Frei- und Quergeist, den agent provocateur" zu erklären. Rühle kritisiert vor allem, dass sich Soukup bei der Beschreibung der Jugendjahre des Publizisten zu stark an Haffners autobiografischem Abriss "Geschichte eines Deutschen" orientiere und nur das paraphrasiere, was Haffner in seiner Autobiografie selbst mitgeteilt habe. Auch würden seine späteren Jahre zu schwach ausgeleuchtet; und "sein dritten Lebensentwurf, als Publizist, Schriftsteller und Historiker im Nachkriegsdeutschland" kommt nach Ansicht des Rezensenten eindeutig zu kurz.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 19.12.2001

Allzu autoritätsbezogen sei Uwe Soukups Haffner-Biographie, meint Urs Hafner: Stellenweise lese sie sich wie eine "Hagiographie", allzu fasziniert von seinem berühmten Gegenstand lasse ihn der Autor zu häufig zu Worte kommen, und weiche einer Stellungnahme zur nicht immer eindeutigen Weltsicht des 1999 verstorbenen Publizisten aus. Um den "schillernden" Konservatismus Haffners zu erfassen, hätten nach Meinung des Rezensenten die aufschlussreichen Anmerkungen des Buches besser ausgearbeitet werden und eine Anzahl Fragen geklärt werden müssen.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 13.12.2001

Volker Ullrich widmet der Haffner-Biografie des Verlegers Uwe Soukup, der sich Anfang der neunziger Jahre begeistert für die Neuauflage von Haffners Buch über die Novemberrevolution und eine deutsche Übersetzung von "Germany: Jekyll und Hyde" eingesetzt, gar extra dafür einen eigenen Verlag gegründet hatte, eine lange Besprechung. Darin schneidet Soukups Buch allerdings überwiegend schlecht ab. Haffner hatte einen ausgesprochen widersprüchlichen Weg eingeschlagen, dessen Brüche und Zwiespältigkeiten der Autor distanzlos zu glätten trachte, moniert der Rezensent. Einzig Haffners Emigrationszeit werde hier informativ beschrieben. Über die Kindheit und Jugend erfahre man dagegen wenig, über die Mutter ebenso. Auch die "sogenannte linke Phase" Haffners sei schwach beschrieben, die späteren Werke wie "Anmerkungen zu Hitler" würden zwar erwähnt, aber ihr großer Erfolg nicht erklärt. Und schließlich habe es Soukup auch noch versäumt, Weggefährten des berühmten Autors zu bemühen und der glatten Darstellung ein paar Farbtupfer zu versetzen. Eine wirklich große Biografie über Haffner, ist Ullrich überzeugt, steht nach wie vor aus.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 10.10.2001

Nachdem Norbert Seitz in seiner Rezension zu Soukups Biografie des Publizisten Haffner letztlich fast ausschließlich dessen Leben referiert, kommt er zu einem vernichtenden Urteil über dieses Buch: Zwar sei Haffner teilweise durchaus umstritten gewesen. Doch insbesondere die "advokatorische Manier", in der Soukup alle Einwände gegen die Authentizität von Haffners Erinnerungen aus dem Jahre 1939 abbürste, macht diese Biografie für Seitz zu einem "ein unnötigem Rehabilitationsversuch" Haffners.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 10.10.2001

Uwe Soukups "lange überfällige" Haffner-Biografie findet Andrew James Johnston interessant und informativ, und in einer klaren Sprache geschrieben. Der Autor zeichne den Werdegang des politischen Journalisten nach, der sich durch mehrmalige Wechsel des politischen Lagers auszeichnete. Johnston vermutet die Gründe für Haffners Meinungswechsel darin, dass dieser ein "politischer Ästhet" war. Damit schließt er sich nicht der Bewertung des Autors an, der Haffners politisches Dilemma in erster Linie darin verorte, dass dieser im Grunde seiner Herzens ein Konservativer war, "dem das aber nach Hitler nicht mehr möglich gewesen sei". Trotz der formell korrekten Herangehensweise des Autors beklagt Johnston, dass die schillernde Persönlichkeit Haffners, "das Zwiespältige und Spannungsreiche" in dieser Biografie etwas zu kurz kommt und vermisst Soukups persönliche Sicht: "Statt zu werten, neigt Soukup dazu, Haffner zu zitieren", und das "erklärt nicht ansatzweise das Geheimnis der Haffnerschen Faszination". Der Rezensent vermutet, dass Soukup Haffner zu sehr bewundert und deshalb zu wenig Abstand hält.