Lana Lux

Kukolka

Roman
Cover: Kukolka
Aufbau Verlag, Berlin 2017
ISBN 9783351036935
Gebunden, 375 Seiten, 22,00 EUR

Klappentext

Ukraine, 90er Jahre. Große Party der Freiheit. Manche tanzen und fressen oben auf dem Trümmerhaufen der Sowjetunion, andere versuchen noch, ihn zu erklimmen. Auch Samira. Mit sieben Jahren macht sie sich auf die Suche nach Freiheit und Wohlstand. Während teure Autos die Straßen schmücken, lebt Samira mit ein paar anderen Kids in einem Haus, wo es keinen Strom, kein warmes Wasser und kein Klo gibt. Aber es geht ihr bestens. Sie hat ein eigenes Sofa zum Schlafen und eine fast erwachsene Freundin, die ihr alles beibringt. Außerdem hat sie einen Job, und den macht sie gut: betteln. Niemand kann diesem schönen Kind widerstehen, auch Rocky nicht. Er nennt sie Kukolka, Püppchen. Wenn Kukolka ihn lange genug massiert, gibt er ihr sogar Schokolade. Alles scheint perfekt zu sein. Doch Samira hält an ihrem Traum von Deutschland fest. Und ihr Traum wird in Erfüllung gehen, komme, was wolle.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 03.05.2018

Am Ende des Romans ist Rezensentin Katharina Teutsch mit allen Klischees des Textes versöhnt, mit dem "naiven" Selbstbehauptungston, mit dem die Erzählerin den "Aschenbrödelstoff" zum besten gibt und den bescheidenen literarischen Mitteln der Autorin. Wie Lana Lux die traurige und grausame Geschichte eines Mädchens aus der Ukraine erzählt, das in falsche Hände gerät, berührt Teutsch schließlich doch, schon da es sie jeden Schritt der "miserablen" Abstiegsdynamik nachvollziehen lässt.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 13.01.2018

Mit "ramponierter Seele" taucht Rezensentin Susanne Messmer aus diesem Debüt der in der Ukraine geborenen Autorin Lana Lux hervor. Das bedeutet für die Kritikerin allerdings nichts Schlechtes, denn Lux vermag ihre Geschichte um ein ukrainisches Heimkind, das sich in den Neunzigern zunächst als Bettlerin und Diebin durchschlägt, in Deutschland zur Prostitution gezwungen und vergewaltigt wird und sich in ihren Zuhälter verliebt, derart nahegehend zu erzählen, dass die Kritikerin sich der Sogkraft und Spannung des Buches nicht entziehen kann. Mehr noch: Selten hat man eine derart authentische und "knappe", zugleich schmerzvolle und "verstörende" Sprache ohne moralische Wertungen und Erklärungen gehört, schwärmt die Rezensentin.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 22.09.2017

Die Leichtigkeit, mit der Lana Lux in "Kukolka" auch von den schrecklichsten Dingen die ihrer Protagonistin Samira, die in einem russischen Kinderheim aufwächst, erzählt, trifft Rezensentin Katharina Granzin mitten ins Herz. Samira, die irgendwann aus dem Heim flieht, lebt erst auf der Straße als Teil einer Gruppe von Kindern, die für einen Mann namens "Rocky" betteln, später gerät sie an einen anderen Mann, der ihr verspricht, sie mit nach Deutschland zu nehmen. Samira lebt irgendwann nur noch von der Hoffnung auf einen Ausweg aus ihrer immer schlimmer werdenden Situation, schreibt Granzin. Lana Lux gelingt es dabei, nie übertrieben oder pathetisch zu werden, in der Sprache bleibt sie geradlinig und einfach, dadurch erschafft sie einen Blick für Samira, der "naiv" aber dennoch genau beobachtet, so die Kritikerin, die sich freut, dass "Kukolka" nicht die "Opfergeschichte eines wehrlosen Püppchens" ist.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 04.09.2017

Christoph Schröder lobt das Debüt von Lana Lux für den tollen "Anti-Showdown", beklemmende Szenen aus Kinderheimen und dem kriminellen Milieu sowie seine mitunter raffinierte Dramaturgie. Die als Stationendrama aus der Kinderperspektive erzählte Geschichte aus der postsowjetischen Ukraine hat laut Schröder aber auch deutliche Schwächen: Vorhersehbarkeit, Klischees, Inkonsistenzen in der Perspektivik und ein moralisierender Tonfall.

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