Zwei Ansichten spielt im Jahr 1961. Uwe Johnson erzählt von einer Krankenschwester aus Ost-Berlin und einem Fotografen aus Schleswig-Holstein. Sie lernen sich in West-Berlin kennen, die Mauer wird gebaut, sie werden getrennt. Die Geschichte handelt von ihrem Versuch, die Mauer zu überwinden, von den "Städten Berlin", von der Macht der Medien, vom Alltag im Kalten Krieg. Erzählt wird von privaten Ängsten und politischen Zwängen, von Mut und von Zweifeln, erzählt wird eine Geschichte aus zwei Perspektiven. Es ist eine nüchterne und sprachlich genaue Bestandsaufnahme der geteilten Welt, die Verständnis für das historische Geschehen erzeugt: "Die Maschine tauchte in das naßgraue Wetter über den beiden Berlin, nicht weit von dem einen setzte sie im anderen auf."
Rezensentin Katharina Teutsch liest den fünften Band der Werke-Abteilung innerhalb der Uwe Johnson-Werkausgabe mit einem gewissen Widerstand. Die Ost-West-Geschichte eine Liebesgeschichte zu nennen, scheint ihr übertrieben. Allzu mechanisch, findet sie, läuft das Zwischenmenschliche hier ab, das durch den Mauerbau zwar Dramatik erhält, aber keine Wärme. Formal ist der schmale Text für Teutsch durchaus nicht simpel, wie Kritiker meinten, sondern mit seiner "sprunghaften Syntax" weiterhin "schwergängiges" Terrain. So interessant die Lektüre ist, nicht zuletzt da sie dem Leser Realien der Mauerzeit bietet, so unangenehm ist sie laut Teutsch, atmet der Text doch den ganzen Muff der frühen sechziger Jahre, wie sie schreibt.
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