Als die Französische Revolution Europas Throne ins Wanken und Napoleon an die Macht brachte, bedeutete das für die Zeitgenossen im deutschen Süden und Südwesten vor allem eins: den permanenten Kriegszustand. Truppen aus aller Herren Länder machten Baden, Württemberg und Bayern zum Kriegsschauplatz. Einquartierungen und Durchmärsche, Plünderungen und Requisitionen, Seuchen und wirtschaftliche Not brachten die Einwohner an die Grenzen ihrer Leistungs- und Leidenskraft. Wie die Menschen vor 200 Jahren den Kriegsalltag zu meistern suchten, beschreibt Ute Planert.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 04.02.2008
Gustav Seibt preist Ute Planerts Habilitationsschrift über die Revolutionskriege Frankreichs in ihren Auswirkungen auf Süddeutschland von 1792 bis 1841 als höchst verdienstvoll und rühmt vor allem die akribischen Alltagsbeobachtungen, womit die Autorin "unbekanntes Terrain" beschreite. Dass die Historikerin in ihrem Buch mit dem "Mythos der Befreiungskriege" aufräumt, wie der Untertitel verkündet, ist für den Rezensenten zwar keine Sensation, doch die Klarheit, mit der Planert deutlich macht, dass es abgesehen von einer unbedeutenden "nationalistischen Avantgarde" keine allgemeine Franzosenfeindschaft im deutschen Süden gab, findet er lobenswert. Die eigentliche Wirkung erziele Planerts Studie aber in der Nachzeichnung der furchtbaren Kriegserfahrungen der einfachen Menschen und in der plastischen Darstellung der Gewalt, die das gesamte Land "bis ins letzte Dorf" überrollte, so Seibt beeindruckt. Er zeigt sich bei aller Begeisterung für die passagenweise äußerst plastische und brillant geschilderte Studie etwas erschöpft von der schieren Materialfülle, mit der die Autorin aufwartet.
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