Im April 1793 finden wir sie zusammen in der Pariser Oper: die empfindsame Dichterin Helen Maria Williams, bislang eine Frau von untadeligem Ruf, die ihren Landsleuten nun als engagierte Korrespondentin aus Frankreich berichtet und mit einem verheirateten Mann liiert ist. Mary Wollstonecraft, die mit ihrer Verteidigung der Rechte der Frau Aufsehen erregt hat und mitten in einer leidenschaftlichen Beziehung zu einem amerikanischen Abenteurer steckt. Und den Weltumsegler Georg Forster, der sich der Revolution in die Arme geworfen und seine Frau an einen anderen Mann verloren hat, doch weiterhin unbeirrt an ihr festhält. "Es ist sonderbar, meine geliebteste Therese, dass unsere eigentümlichsten Verhältnisse so mit den wichtigsten Angelegenheiten der Menschheit zusammenhängen", schreibt er ihr aus Paris.
Sozusagen ohne Punkt und Komma referiert Klaus Harpprecht das hier offenbar anmutig aufbereitete Gesellschaftspanorama aus der deutsch-britischen Emigrantenszene im revolutionären Paris nach. Hauptfigur ist der Naturforscher Georg Forster, Weltumsegler, Republikaner und Geograf, dessen tragische Liebe zu seiner Frau Harpprecht gefühlvoll und unter Nennung dieser und jener Namen aus der Zeit nacherzählt. Sinnlich erfahrbar wird für Harpprecht, um was für eine Aufbruchszeit es sich damals handelte: Der Journalismus gelangte zu erster Blüte, neue Lebensmodelle wurden ausprobiert, und Mary Wollstonecraft schrieb 'The Rights of Women'. Naumanns Streifzug "könnte ein bisher verschollenes Werk von Friedrich Sieburg sein", so Harpprechts überschwängliches Lob für dieses Buch. Nur biografische Notizen zu den vielen Personen des Dramas vermisst er.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 18.02.2013
Etwas zu spekulativ erscheint Joseph Hanimann Ursula Naumanns Versuch, Revolution und persönliches Leben und Lieben (hier: der englischen Dichterin Helen Maria Williams, der Frauenrechtlerin Mary Wollstonecraft und des deutschen Reisenden Georg Forster) unter einen Hut, bzw. zwischen zwei Buchdeckel zu bringen. Was für sich genommen Sinn macht und interessant ist, zumal die Autorin laut Rezensent reiche Rechercheergebnisse auffährt, findet Hanimann in der thematischen Verquickung gezwungen und verwirrend. Worum es sich bei dem Buch handelt (um eine historische Analyse, drei Monografien?), vermag er nicht zu entscheiden. Vielleicht hätte eine strengere Auswertung des Materials ihn überzeugt.
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