Als Dreijährige besaß die Tochter der französischen Bourgeoisie eine eigene Visitenkarte. Als Einundzwanzigjährige schloss sie einen radikal antibürgerlichen Liebespakt mit dem Philosophiestudenten Jean-Paul Sartre. Als Vierzigjährige verfasste sie das Buch "Das andere Geschlecht", das zur Bibel des Feminismus und zum Skandalwerk avancierte: Simone de Beauvoir gilt als Ikone moderner, intellektueller Weiblichkeit des 20. Jahrhunderts. Ursula März fragt nach den Voraussetzungen dieses einzigartigen Status - und den Folgen der Mythenbildung für die Person Beauvoir.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13.02.2014
Die Ambivalenz, etwa zwischen weiblicher Unabhängigkeit und dem Pakt mit Sartre, im Leben Simone de Beauvoirs zum Drehpunkt einer Biografie zu nehmen, wie es Ursula März hier macht, findet Lena Bopp richtig. Genau hier sieht sie die Faszination begründet, die die Beauvoir noch immer ausübt. Wenn März in einer schönen kleinen Verlagsreihe einen reich bebilderten, doch relativ schmalen Band herausbringt, geht das laut Bopp überdies auch nicht ohne Zuspitzungen, also Konzentration. Daran, dass die Autorin ihre Aufgabe klug und mit feiner Schreibe meistert, lässt Bopp keinen Zweifel. Und nimmt das Buch zum Anlass, mal wieder Beauvoir zu lesen.
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