Ursula Le Guin

Am Anfang war der Beutel

Warum uns Fortschritts-Utopien an den Rand des Abgrunds führten und wie Denken in Rundungen die Grundlage für gutes Leben schafft
Cover: Am Anfang war der Beutel
Drachen Verlag, Klein Jasedow 2020
ISBN 9783947296088
Kartoniert, 96 Seiten, 10,00 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen übersetzt und herausgegeben von Matthias Fersterer. In ihrem essayistischen Werk zeigt die große amerikanische Erzählerin Ursula K. Le Guin, warum wachstums- und fortschrittsgetriebene Utopien zwangsläufig in Abgründen von Gewalt münden und wie zyklisches Denken die Grundlage für gutes Leben im umfassenden Sinn schafft. Dabei verbindet sie scharfe Kritik an abstrakten "Nichtorten" mit kraftvollen Plädoyers für Gerechtigkeit, Ortssinn und Friedfertigkeit: Am Anfang war nicht der Speer, sondern der Tragebeutel! Dieser Band versammelt drei Essays, drei Reden und ein Gedicht aus drei Jahrzehnten, die unser zivilisatorisches Selbstverständnis radikal in Frage stellen, darunter die beiden legendären Texte "Die Tragetaschentheorie des Erzählens" und "Ein nicht-euklidischer Blick auf Kalifornien als kalten Ort in spe".

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 11.02.2021

Rezensentin Katharina Granzin begeistert sich sehr für die Texte der amerikanischen Autorin und bedauert, dass sie so spät und nur wenig übersetzt worden sind. Außerdem legt sie an Beispielen dar, dass Le Guin in vielen Genres und Motiven literarisch vorangegangen und "die erste" gewesen ist, zum Beispiel mit einer Zauberschule für junge Leute… Aber wirklich fasziniert ist sie von dem titelgebenden Gedanken im titelgebenden Aufsatz, dass nämlich das ursprünglich menschliche Werkzeug ein "Tragebeutel" gewesen sein müsse. Zugleich habe Le Guin auch über die literarisch adäquate Form zum Sammeltuch nachgedacht - und sie durchaus im Roman gefunden, staunt die Kritikerin. Auch die anderen Essays hier findet sie höchst bemerkenswert in den immer wieder ansetzenden Versuchen, auch im Erzählen von Utopien - ein Begriff, den Le Guin skeptisch sah, wie Granzin schreibt - ein nicht-militaristisches Denken und Erzählen zu erfinden.

Beliebte Bücher

Juli Zeh. Pony Show - Roman. Luchterhand Literaturverlag, München, 2026.Juli Zeh: Pony Show
Eine prominente Verlegerin unter Mordverdacht. Ein spektakulärer Schwurgerichtsprozess. Und die Frage: Wie verhandelbar ist die Wahrheit? Sie ist über fünfzig, verheiratet…
Shida Bazyar. Die Lücken - Roman. Kiepenheuer und Witsch Verlag, Köln, 2026.Shida Bazyar: Die Lücken
Heimesbach im Hunsrück ist ein fiktiver Ort, an dem sich neunzig Jahre deutscher Geschichte in die Mauern und Biografien eingenistet haben. Es ist eine Gemeinde, die ihre…
Botho Strauß. Bleiben und Blicken. Carl Hanser Verlag, München, 2026.Botho Strauß: Bleiben und Blicken
In Botho Strauß' neuem Buch geht es um die Zeit und ihr Vergehen, um den Zauber der Kunst, um das Originale und das Eigentliche. Vor allem sind es Begegnungen und Nichtbegegnungen,…
Dana Vowinckel. Anton und Alma - Roman. Suhrkamp Verlag, Berlin, 2026.Dana Vowinckel: Anton und Alma
Anton und Alma lernen sich bei einem Schüleraustausch in der Bretagne kennen. Jahre später treffen sie sich auf einer Party wieder. Beide kommen aus Berlin und studieren…