"Fortschritt" klingt nicht immer nach einer Entwicklung zum Besseren hin; er kann auch als Bedrohung erscheinen. Zwar benötigen wir wirtschaftliches Wachstum, um das Versprechen des "Wohlstands für alle" aufrechtzuerhalten, es hat aber auch Kehrseiten: Die Anpassung der Staaten an die Gesetze des Kapitals, eine immer schnellere Taktung von Entscheidungen und die Beschleunigung aller Lebensbereiche tragen zu einer Entsolidarisierung zwischen den Menschen bei. Matthias Machnig will Fortschritt neu erfinden, ihn wieder zu einem Hoffnungs- und Zukunftsprojekt machen. Dafür hat er in diesem Band Sozialwissenschaftler und Vertreter aus Verbänden und Politik eingeladen, Alternativen zur derzeitigen Gesellschaftspraxis zu entwerfen. Im Zentrum steht die Kritik am politischen System, insofern es dem Primat des Kapitals folgt. Mit Beiträgen von: Sigmar Gabriel, Berthold Huber, Volker Hauff, Jochen Flassbarth, Ernst Ulrich von Weizsäcker, Michael Hartmann, Christoph Butterwegge, Stephan Lessenich, Claus Offe, Michael Vassiliadis und anderen.
Durchwachsen scheint Rudolf Walther dieser Band über die unterschiedlichen Facetten des Fortschritts und die Entwicklung eines neuen Fortschrittskonzepts, den Matthias Machnig herausgegebenen hat. Neben einer Reihe von exzellenten Beiträgen findet er darin er auch einige weniger bedeutende. Insbesondere die Essays von Heiner Flassbeck, Claus Offe und Christoph Butterwegge, die sich kritisch mit dem Fortschrittsbegriff auseinandersetzen, nach dem Wohin und Wozu des Fortschritts fragen oder das Schicksal des sozialen Fortschritts unter Rot-Grün und Schwarz-Gelb analysieren, scheinen ihm sehr lobenswert. Die Beiträge von Politikern können in seinen Augen dagegen nicht mithalten. Sigmar Gabriels Ausführungen über den „neuen Fortschritt“ der SPD etwa beurteilt Walther als reichlich „konturlos“. Sein Fazit: insgesamt lesenswert.
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