Ulrich Raulff

Wie es euch gefällt

Eine Geschichte des Geschmacks
Cover: Wie es euch gefällt
C.H. Beck Verlag, München 2025
ISBN 9783406837302
Gebunden, 480 Seiten, 36,00 EUR

Klappentext

Ulrich Raulff schreibt die Geschichte des Geschmacks Jeder weiß, dass es ihn gibt. Jeder meint, ihn zu besitzen. Dabei hat ihn nie jemand gesehen: der Geschmack, unser Sinn für das Schöne, Glücksantenne und Tastsinn unserer Sehnsucht. Ulrich Raulff erkundet diese Kompetenz für das Schöne und entführt uns in seinem neuen Buch auf einen materialistischen Jahrmarkt der Eitelkeiten, einen Parcours der Likes von Meissen bis Mac und von Diderots Hausrock bis Victorias Secret. Die Spur führt ins Rom Winckelmanns und das Washington Jeffersons, nach Paris um 1800, in das viktorianische England und bis hinein in unsere Zeiten von Airbnb und dem Essen als "Erlebnis". Große Tastemaker von Madame Pompadour bis Steve Jobs begrüßen uns als Portalfiguren am Beginn neuer Geschmacksepochen. Doch die Geschichte des Geschmacks und seiner Wandlungen ist nicht nur eine Geschichte ästhetischer Codes. Sie ist auch der Bericht von einer europäischen Erfindung, von Beutezügen, dem Leiden der anderen und von eigener historischer Schuld. Und sie ist zugleich noch mehr: Im Sinn für die Nuance entfaltet sich eine ungeheure kulturelle Leistung, ein humanes Vermögen und ein Reichtum der Empfindungen, der uns hilft, Differenz wahrzunehmen und in Kultur zu verwandeln.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 20.12.2025

Rezensent Harry Nutt ist schwer beeindruckt von Ulrich Raulffs Geschichte des Geschmacks. Die laut Nutt bewusst unvollständige, nicht chronologische, episodische "Materialkunde" ist durch ihre schiere Fülle für den Leser laut Rezensent zwar herausfordernd, belohnt aber mit Bildung und stilistischer Eleganz und der erstaunlichen Erkenntnis, dass es die Brüche und Unvollkommenheiten in der Imitation sind, die zu neuen stilbildenden "Geschmacksverschiebungen" führen. Die Beispiele und Gewährsleute für diese These, von Holly Golithly bis zum Erfinder der Jasperkeramik, findet Nutt überzeugend. Gut gefallen ihm auch die Neugier, die Intensität und die "analytischen Volten", mit denen Raulff seinen Gegenstand umkreist und immer neue Wissensbereiche erschließt. Anregend, findet der Rezensent. 

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 08.12.2025

Rezensent Arno Orzessek stolpert zwar über die ein oder andere gekünstelte Formulierung in Ulrich Raulffs Geschmacksgeschichte, die Freude an der Lektüre nimmt ihm das aber nicht. Im Gegenteil, Orzessek nimmt die Herausforderung an, die der Autor mit mannigfachen Beispielen des guten Geschmacks und Stilikonen  von Holly Golightly über Winckelmann bis Westwood und Tracey Emin stellt. Orzesseks Fazit: Der Autor stapelt hoch, ganz unsystematisch geistreich, der Leser fühlt sich wie ein Eselsohr in Raulffs hoch fliegendem Gedankenteppich. Allerdings ein lustvolles Gefühl, findet Orzessek. 

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 01.11.2025

Mit dem Historiker Ulrich Raulff und seinem neuen Buch begibt sich Rezensent Paul Jandl auf eine Geschmacksreise durch die Jahrhunderte: "Hoch gelehrt, bisweilen preziös" schreibt er über die feiner werdenden Sinne, die sich dem guten Geschmack zuwenden. Los geht es mit dem Kunsthistoriker Johann Joachim Winckelmann, der im 18. Jahrhundert die antiken Statuen Roms beschrieben und einen wahren Boom des Klassizismus ausgelöst hat, erfahren wir. Dass sich Moden und Geschmäcker immer wieder verschieben, lernt Jandl beispielsweise anhand des Punk, wie ihn Vivienne Westwood vertritt: Erst als hässlich verschrien, wird Punk später chic. Zu verdanken ist das, wie bei Raulff zu lesen ist, dem Geschmack als "Phänomen der Aufmerksamkeit". Auch der Geschmack im kulinarischen Sinne kommt bei Raulff vor - mit Gewinn liest Jandl von veritablen Weinkriegen zwischen den Franzosen und dem kalifornischen Napa Valley. Anregend und interessant, resümiert er.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.10.2025

Rezensent Daniel Damler schätzt gerade das Sprunghafte, Unvollständige, Unsystematische und Essayistische an Ulrich Raulffs Geschmacksgeschichte. Wie der Stilikone Holly Golightly mit ihrem sprechenden Namen gelingt es dem Autor laut Damler möglichst unkonventionell, aber anregend über sein Thema zu plaudern. Neben historischen Vignetten über das "Weinbeben" von 1976 stehen Porträts über den Stilpapst Winckelmann und eben jene Holly Goligthly, wiederum neben einer Beschreibung des "pseudochinesischen" Porzellandesigns und seiner Wege und "Kopiervorgänge", erklärt Damler. Analytisch zu fassen bekommt der Autor das ästhetische Urteilsvermögen nicht, meint Damler, aber er flaniert gekonnt drumherum.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 11.10.2025

Rezensent Bernhard Heckler fühlt sich "diffus erleuchtet" nach der Lektüre dieser "buchgewordenen Gedankenmonstermaschine". Erstmal zollt er dem Historiker Ulrich Raulff größten Respekt, sich der Mammutaufgabe angenommen zu haben, eine Geschichte des Geschmacks zu schreiben. Ganz gelingt ihm das nicht, macht aber nichts, meint der Kritiker, denn Erkenntnisgewinn verspricht das Buch allemal, ja der Leser fühlt sich nach der Lektüre sogar "schöner", verspricht Heckler. Und so lässt er sich interessiert und fasziniert über knapp 500 Seiten hinweg von Raulff durch die Jahrhundert der "Geschmacksrevolutionen" führen, beginnend im 18. Jahrhundert bei Winckelmann bis hin zu Roland Barthes, der sich der Definition des Geschmacks durch den Begriff des "Zartgefühls" näherte. Auch der zweiten Fährte, die der Essay legt, folgt der Kritiker mit Gewinn, vor allem weil der Historiker beim Versuch, das Wesen des Geschmacks zu fassen, so wunderbar "selbstironisch" auftritt. Elegant geschrieben und reich bebildert kann Heckler die Lektüre dieses Bandes nur unbedingt empfehlen.

Rezensionsnotiz zu Die Welt, 11.10.2025

Geschmack ist ein schwieriges Thema, das Ulrich Raulff in seiner Kulturgeschichte mit Leichtigkeit zu behandeln weiß, versichert Rezensent Eckart Goebel, was heißt, so als "sei sie aus einem urbanen Französisch übertragen". Es sind aber immerhin 480 Seiten, die Raulff zum Thema bietet und es geht um Winkelmann ebenso wie um Westwood. So ganz geht aus der Kritik nicht hervor, wie genau Raulff diese Parcours theoretisch bewältigt - gibt es etwa ein Kapitel über die Idee des Geschmacks, über die im 18. Jahrhundert so intensiv nachgedacht wurde? Einige der Namen, die Goebel als Referenzen nennt, scheinen aber darauf zu hinzudeuten. Das Wort Geschmack ist im Deutschen mit "Urteil" assoziiert, aber was guter Geschmack ist, wird Raulff hier nicht lehren, beruhigt Goebel: Er richte nicht, sondern biete "eine 'flache' Theorie des Geschmacks, entwickelt aus der Unterscheidung zwischen Mögen und nicht-Mögen".

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 09.10.2025

In der Welt ist man von Hässlichkeit umstellt, umso wichtiger ist jenes "magische Schwert" namens Geschmack, mit dem sich die Welt erträglicher sortieren lässt, erinnert Rezensent Alexander Cammann. Aber wie kommt Geschmack eigentlich zustande? Auftritt Ulrich Raulff! Dem Historiker ist mit seinem neuen Buch nichts weniger geglückt als "fraglos eines der wichtigsten deutschen Sachbücher der vergangenen Jahre", so der hingerissene Cammann, der zu dem Thema noch nichts besseres gelesen hat: Der Autor "tänzelt" um jede Systematik, liebäugelt mit "oft dreister Subjektivität" und häuft Myriaden an Wissen und Material auf, schwärmt der Rezensent. Nur zu gerne lässt er sich bei diesem sinnlichen Ritt durch die Jahrhunderte und den Streifzügen durch die kulturhistorischen wie philosophischen Archive mitnehmen: Von Rom über Barthes bis zu Audrey Hepburn, den Beatles und Sid Vicious spannt sich ihm hier ein Panorama der Freude am Schönen und am Nachdenken darüber auf. Satt lehnt sich der Rezensent zurück und fodert mit Blick auf die USA: Zartgefühl, also Geschmack, statt Protz.