Graham Greene (1904-1991) hat wahrscheinlich mehr erlebt als jeder andere Autor des 20. Jahrhunderts. Wegen ihrer Mischung von Abenteuer, Kriminalistik, Erotik und Religiosität wurden seine Bücher stets heftig diskutiert. In den letzten Jahren hat die Filmindustrie sie als Vorlagen wiederentdeckt, vom "Ende einer Affäre" bis zum "Stillen Amerikaner", und es gibt eine auf Greenes Menschenbild gegründete Greene-Renaissance. Prüde Zeitgenossen nannten ihn sexbesessen, für andere war er ein katholischer Schriftsteller. Auf der einen Seite wurde sein Werk als Unterhaltungsliteratur abgetan, auf der anderen Seite wurde er lange als Kandidat für den Nobelpreis gehandelt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.10.2004
Ulrich Greiwes erzählerisches Verfahren, an dasjenige des Kriminalromans angelehnt, hält Gregor Schuhen für originell - an der Ausführung hapert es seiner Meinung nach allerdings gehörig. Zu viele Namen und Fakten auf zu engem Raum, zu viel Konfusion, so dass man als Leser ein paar Mal gar den Faden verliert - so kann Greiwe seinem Gegenstand nicht gerecht werden, befindet der Rezensent streng. Hinzu kommt, dass Greiwe nach Schuhens Ansicht den nötigen Abstand zum Porträtierten vermissen lässt, und so darf der Rezensent nicht kriminalistischen Spürsinn loben, sondern muss eine Vorliebe für unreflektierte Lobhudelei tadeln.
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