Ulf Stolterfoht

holzrauch über heslach

Gedicht
Cover: holzrauch über heslach
Urs Engeler Editor, Basel 2007
ISBN 9783938767276
Gebunden, 122 Seiten, 19,00 EUR

Klappentext

holzrauch über heslach ist ein langes, ethnologisches Gedicht. In neun Teilen berichtet es von einem Bezirk im Süden Stuttgarts, wesentlich sprachlich errichtet, seiner Gründung und Besiedlung durch einen Stamm von Katzenartigen, ihren Kämpfen und Ritualen, ihrer Sprache, ihren Drogen und ihrer Musik, bis hin zum Untergang dieser autochthonen Population im Jahre 1979. Es ist daneben, ganz im Sinne Helmut Heißenbüttels, dessen Gedicht über die Übung zu sterben es nicht nur seinen Titel verdankt, ein "quasi-autobiographisches" Gedicht über die gesellschaftlichen und politischen Träume, die fast zur gleichen Zeit in einem anderen Stadtteil Stuttgarts zerplatzten.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 07.02.2008

Beeindruckt zeigt sich Rezensent Michael Braun von Ulf Stolterfohts Gedichtband "holzrauch über heslach". Das in neun Kapitel gegliederte "ethnographische Gedicht" über den nonkonformistischen schwäbischen Underground im Stuttgarter Stadtteil Heslach in den 1970er Jahren ist für ihn nicht nur eine "poetische Liebeserklärung" an eine subkulturelle Enklave in der Kindheit des Dichters, sondern auch eine "fantastische Geschichte der Subversion". Braun sieht in dem halb-biografischen Werk auch einen literarischen Neubeginn Stolterfohts, der ihn seines Erachtens weit über die  "fachsprachen"-Gedichte hinaus trägt. Angesichts des Reichtums an intertextuellen Sprachspielen, Binnenreimen und Kalauern brauche man allerdings einen Kryptologen, um die Vielzahl an biografischen Hinweisen zu entschlüsseln. "Wer experimentelle Lyrik bisher nur als Vorstufe zur literarischen Verkrampfung kannte", resümiert Braun, "wird von der 'elaborierten Anarchie' dieses Gedichtbuchs eines Besseren belehrt".

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 30.01.2008

Eindrucksvoll findet Paul Jandl in Ulf Stolterfohts jüngstem Lyrikband das Vorurteil widerlegt, experimentelle Lyrik und wirklichkeitsnahe Lebendigkeit schlössen einander aus. Der 1963 im Stuttgarter Stadtteil Heslach geborene Lyriker lässt in seinen Gedichten autobiografisch getönte ethnografische Eigenheiten dieser Stuttgarter Enklave aufscheinen und verankert sie gleichzeitig in der Sprache anderer Dichter wie Oskar Pastior, Inger Christensen und Emily Dickinson, erklärt der Rezensent. Beschworen wird so ein spezielles Milieu, gleichzeitig handeln diese Gedichte aber von der Sprache selbst, so Jandl, der die Mischung aus Umgangssprache, Jazzelementen und Bildungszitaten beeindruckend "handgreiflich" findet.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 15.12.2007

Ja, meint der Rezensent Tobias Lehmkuhl, auf den ersten Blick scheint dieser Lyrikband alle negativen Vorurteile über moderne Lyrik zu bestätigen. Man versteht erstmal nämlich nix. Aber das wird, verspricht Lehmkuhl, sofort besser, wenn man erst weiß, dass vieles hier sich dem schwäbischen Heimatdialekt des Autors verdankt, der bisher vor allem mit Gedichten bekannt wurde, die sich mit der Sprache der Intellektuellen einen virtuosen Spaß machten. Hier ist es jetzt anders, aber, lobt der Rezensent, nicht minder großartig. Gewiss, es bleibe dem Leser nur das genießende Hineinhören, denn auf Geheimnisse und Interpretationsnotwendigkeiten wolle Stolterfoht, der Lehmkuhl ein wenig an Oskar Pastior erinnert, nicht hinaus. Wer sich aber einlasse aufs spielerische Sprechen, der werde überreich belohnt.
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