Ulf Stolterfoht

fachsprachen X-XVIII

Gedichte
Urs Engeler Editor, Weil am Rhein 2002
ISBN 9783905591477
Einband unbekannt, 123 Seiten, 14,50 EUR

Klappentext

Auch diese zweite Sammlung schlägt andere Seiten auf als die betulicher Poesie-Alben: wie Ulf Stolterfoht unter anderem Rotwelsch, die sprachlichen Macken und Tücken der Psycho- und Poetologen, die letzten Worte des Gangsterkönigs Dutch Schulz und die deutschen Anklänge so entfernter Sprachen wie Norwegisch und Finnisch kurzschließt, setzt deren Sinn- und Unsinns-Potential frei.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.09.2003

Thomas Poiss hat in Ulf Stolterfohts Gedichten die "poetische Kehrseite Wittgensteins" gefunden. Will heißen: Jener habe aus dem erkannten Umstand, dass Worte in erster Linie selber Dinge sind und erst auf Grund von Konventionen auf andere Dinge verweisen, "wirksame Gedichte" gemacht. Fachvokabulare werden hergenommen, rhythmisiert und "verschiedenen poetischen Verfahren der Wortverknüpfung unterzogen", wodurch "Sinn als Sonderfall von Sprachverwendung" eben nicht erklärt, sondern - und hier liegt der poetische Mehrwert - "erfahrbar" gemacht werde. Fazit: "Mit Ulf Stolterfohts Augen gesehen, ist ein Gedicht ebenso sehr eine Welt wie die Welt ein Gedicht. Und Größeres kann man von einem Lyriker weder verlangen noch sagen."
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 13.08.2003

Schon Celan, weiß Martin Zingg, soll Wörterbücher der Biologie und Geologie nach ungewöhnlich klingenden Ausdrücken durchforstet haben. Auch Ulf Stolterfoht bedient sich ganzer Fach- und Handbücher, um ihnen interessant klingendes Sprachmaterial zu entnehmen und dieses in anderem Zusammenhang neu zu verwenden. Das Interessante bei Stolterfoht sei aber, betont Zingg, dass er über die bloße Collagierung gefundenen Materials hinausginge. Er stelle höchst anspruchsvolle Versuchsanordnungen her, die ihren Reiz aus dem Zusammenstoss und der Überlagerung des entwendeten Materials mit anderen Formulierungen und Zitaten bezögen, wobei der Dichter eine kombinatorische Gabe entwickele, neue Sprachmuster anzuordnen. Insofern, begründet Zingg seine Huldigung, bediene sich Stolterfoht nicht einfach nur des Fachvokabulars, sondern habe ein gemeinsames Anliegen mit den Einzelwissenschaften: einen sprachlichen Präzisierungsbedarf, dem der herkömmliche Wortschatz nicht ausreiche. Stolterfoht zeige sich mal leicht und heiter, mal sehr vertrackt oder geradezu musikalisch, schwärmt Zingg: in jedem Fall eine lohnenswerte Lektüre.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 13.11.2002

Ulf Stolterfoht schreibt keine Verse, sondern Sätze, die sich ihren Rhythmus selbst setzen, charakterisiert Guido Graf das poetologische Verfahren des Autors. Das Satzgebilde, die Satzstruktur hat Vorrang vor den einzelnen Wörtern, gegen deren semantische Aufladung in Fortführung der Dichtungstradition Stolterfoht wohl eine Aversion hegt, vermutet Graf. Er bezeichnet Stolterfoht als Anhänger der "frame theory", der Rahmentheorie, die sowohl in der Hirnforschung wie in der Linguistik eine Rolle spielt. Nun sollte man sich aber Stolterfohts Dichtung nicht als Umsetzung dieser Theorie oder eines linguistischen Programms vorstellen, warnt Graf. Für ihn ist Stolterfoht eher jemand, der sich damit der "modischen Metaphorik von Körpersäften" entzieht und stattdessen munter fremdes Material auseinander nimmt, neu zusammenbaut und seinem eigenen Rhythmus überlässt - die "fachsprachen" eben, egal ob es um Schweinemast oder Rundfunktechnik geht. Am liebsten würde Stolterfoht, der immerhin seinen dritten Band mit "fachsprachen"-Dichtung vorlegt, als Autor hinter oder in seiner Materialarbeit verschwinden, meint Graf; aber selten habe er einen Dichter "mit solcher Gelassenheit" das Verschwinden seiner Autorenschaft betreiben sehen.
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