U. D. Bauer

O.T.

sowie ein Gespräch mit Max Dax
Cover: O.T.
Die Andere Bibliothek, Berlin 2013
ISBN 9783847703396
Gebunden, 244 Seiten, 34,00 EUR

Klappentext

"O.T." zitiert, was uns im Museum begegnet: Werke "Ohne Titel" in die Welt zu entlassen. U. D. Bauer kennen wir als Bildende Künstlerin. Ihr erstes literarisches Werk erzählt, was zunächst nicht der Rede wert scheint; die Geschichte eines Schriftstellers, der seinen Roman schreibt. Aber wie das U. D. Bauer gelingt, das haben wir bisher in der Literatur noch nicht gelesen - kein einziges Wort stammt von der Autorin selbst. "O.T." ist wie ein Mosaik, ein Cut-up aus 3000 Zitaten der Welt- und Trivialliteratur und der Poesie. Die Liste der Zitierten reicht wortgewaltig von Dante bis Joyce, von Shakespeare bis Tolstoi - und wir erkennen alle klassischen Romanthemen einer Familiengeschichte: Dreiecksbeziehungen, Betrug, Totschlag, Inzest, romantische Sonnenaufgänge und einsames Verzweifeln am Schreibtisch. Das System "Zettels Traum" begegnet uns wieder, ein vielstimmig erzähltes Universum aus Fundstücken und Aufgespürtem.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 14.08.2013

Rezensent Robin Detje befasst sich in einem sehr grundsätzlichen Text mit Jennifer Egans "Black Box" und U.D. Bauers "O.T.", die er als Vorhaben natürlich für ganz unvergleichlich hält, aber doch für bemerkenswerte Beispiele für die Selbstbehauptungskämpfe der Literatur in Zeiten der sich auflösenden Buchform. Beide drohen von ihrem eigenen Marketing überrannt zu werden, doch im Gegensatz zu Jennifer Egans Twitter-Roman "Black Box" kann er U.D. Bauers Projekt nicht viel abgewinnen. Die Künstlerin hatte in den siebziger Jahre in einem Frustrationsschub all ihre Bilder zerrissen und nach dem Zufallsprinzip neu angeordnet. Das fand Detjen grandios. Für "O.T." (Ohne Titel) hat sie nun Sätze aus der Literaturgeschichte gesammelt und zu einem neuen Roman zusammengefügt. "Eigenartig altbacken" nennt Detjen das Ergebnis, geradezu eine "Unterwerfung unter uralte Erzählkonventionen". Ganz ungnädig gestimmt hat den Rezensenten das Interview im Anhang, in dem sich U.D. Bauer und ihr Sohn Max Dax gegenseitig erklären, wie avantgardistisch das Ganze sei ("Ich stehe auf der Seite Andy Warhols").

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 14.03.2013

In Zeiten, in denen alle Wert nach Originalität lechzt, ist das originellste Buch eines, das auf sie verzichtet, findet Lothar Müller und erklärt deshalb "O.T." von U.D. Bauer kurzerhand zum Originellsten, womit auf der Leipziger Buchmesse zu rechnen ist. Der Roman - und der Rezensent besteht vehement darauf, dass "O.T." einer ist - besteht aus genau zweitausendachthundertsiebenundfünfzig Zitaten, einer Collage aus Fragmenten der Weltliteratur, die sich wie "eine Girlande von Sätzen" durch das Buch ziehen und, von den Buchgestaltern Cornelia Feyll und Friedrich Forssman angeordnet, wie "aus einem Konvolut getippter Exzerpte herausgeschnitten" wirken, verrät Müller. Dahinter verbirgt sich allerdings keine Belesenheitsprahlerei, sondern ein gekonntes Spiel mit Stimmen, die ihrem ursprünglichen Kontext entfremdet sind und in Bauers Geschichte eine eigene Rolle einnehmen, erklärt der Rezensent.

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