Tomas Espedal

Bergeners

Cover: Bergeners
Matthes und Seitz, Berlin 2018
ISBN 9783957576156
Gebunden, 156 Seiten, 20,00 EUR

Klappentext

Aus dem Norwegischen von Hinrich Schmidt-Henkel. "Bergeners" ist eine ungewöhnliche Liebeserklärung an den zwischen Bergen und Fjorden gelegenen Heimatort Tomas Espedals. Die Erzählung beginnt im extravaganten The Standard Hotel in New York und endet im Berliner Askanischen Hof, denn immer wieder versucht Tomas zu fliehen: vor dem Trubel um seine Person nach dem Erscheinen von Knausgårds Büchern, vor der Einsamkeit, nachdem seine Freundin ihn verließ, vor sich selbst. Jedes Mal kehrt er aber zurück zu dem Ort seiner Kindheit, dem Ort, der seine Erinnerungen konserviert. Meist sind es Erinnerungen an die Frauen, die der Autor einst liebte.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.02.2019

An James Joyce muss Rezensent Jan Wiele bei Tomas Espedals Beschreibung seiner Mitmenschen in "Bergeners" denken, an Alfred Döblin, in besonders spöttischen Passagen auch an Thomas Bernhard. Vor allem aber natürlich an Karl Ove Knausgård, nicht nur, weil die beiden Schriftsteller befreundet sind und sich mitunter aufeinander beziehen - so schildert Espedal hier etwa seine Perspektive auf ein im fünften Band von Knausgårds Memoirenzyklus "Mein Kampf" beschriebenes Vorkommnis -, sondern wegen des kunstvollen Changierens zwischen "Bekenntnishaftigkeit" und metafiktionaler Spielerei, stellt der Rezensent fest. Der Verlag verzichtet bei dieser disparaten Sammlung von Notizen, Skizzen, Beschreibungen, Erinnerungen und Erzählungen verständlicherweise auf eine Gattungsbezeichnung und freut sich, wenn die Leser alles für bare Münze nehmen, meint Wiele, den die Lektüre durchaus angeregt zu haben scheint.

Rezensionsnotiz zu Die Welt, 05.01.2019

Richard Kämmerlings folgt Tomas Espedal bei seiner Trauer um die eine vergangene große Liebe und durch die nassen Straßen Bergens. Wie der Autor in den hier versammelten Texten im melancholischen Ton Liebesschmerz und Milieustudie über Bergens Kunstszene miteinander vereint, gefällt Kämmerlings, auch wenn er Espedals Kummer mitunter obsessiv und selbstquälerisch findet. Der Verzicht auf Fiktionalisierung im Sinne der Bergener Schule sorgt zusammen mit einer Prise Selbstironie und scharfen, manchmal bösen Personenporträts laut Kämmerlings für gute Unterhaltung.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 03.01.2019

"Bergeners" ist kein schlichtes literarisches Porträt der zweitgrößten Stadt Norwegens, findet Rezensent Wolfgang Hottner. Laut ihm befasst sich Autor Espedal, der selbst aus Bergen kommt, in dieser "Unform" aus Notizen, Prosagedichten, Kurzgeschichten und Tagebucheinträgen hauptsächlich mit Alltagsroutinen und zeigt sie als undramatische und dennoch existentielle Momente. Für den Kritiker hat das Buch außerdem eine "Einführung in die norwegische Literatur der Gegenwart" bereitgehalten: Da sich die wenigen Schriftsteller in Norwegen alle gegenseitig kennen, gehört die Auseinandersetzung mit seinen Kollegen für einen norwegischen Autor vermutlich zum Alltag, sinniert der Rezensent, und diesen hat Espedal hier in seinen Augen sehr gut beschrieben.

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