Die adriatischen Gedichte von Tom Schulz sehen unseren Planeten in seiner Schönheit, der Vielfalt von Dingen, Pflanzen und Lebewesen, die einer zunehmenden zerstörerischen Gefahr ausgesetzt sind. Die dichterisch aufgerufenen Fragen nach einem Auskommen auf der Erde und mit ihr schaffen neue Konnotationen und einen Raum der Imagination, der uns den Ort und die Zeit erkennbar und fühlbar macht. Sprachliche und formale Strenge stellen dabei einen Kontrast zur Ästhetik des Naturschönen und zur sinnlichen Fülle her. - Auch im zweiten großen Zyklus des Bandes sind Orte zentral: In ihnen treffen wir auf Geschichten und Biografien literarischer Gestalten von der Günderode und Novalis bis zu Johannes Bobrowski und Uwe Johnson. Sie werden aus der Atmosphäre ihrer Umgebung wachgerufen, seien es städtische oder landschaftliche Topografien und Stimmungen. Gelingen und Scheitern, Glück und tragische Lebensumstände werden in eine kristalline Sprachmusik verwandelt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 08.02.2024
Vielseitig und trotzdem angenehm unbekümmert findet Rezensent Björn Hayer den neuen Lyrikband von Tom Schulz: Dieser widmet sich in seinen Gedichten der Verbindung von Mensch und Natur und lässt dabei die Bedrohungen durch den Klimawandel und die menschliche Ignoranz nicht aus, erfahren wir. Mit "ironischem Lidschlag" lässt Schulz kanonische Dichtung von Ovid bis Celan einfließen, das findet der Kritiker manchmal etwas überfrachtet, der Band überzeugt ihn aber insgesamt.
Laut Rezensent Alexandru Bulucz steht im Zentrum des dichterischen Werks von Tom Schulz das Derrida'sche "Irrgeschick" (Zitat Bulucz), also eine Suche, die sich selbst dem Zufall überlässt. Schulz' neuer Gedichtband besteht aus drei Zyklen, einer ist an der Adria angesiedelt, einer fertigt Porträts an, der dritte schickt Ovid in unsere Gegenwart, erfahren wir. Es geht laut Bulucz unter anderem um die Suche nach Perfektion in einer von Naturzerstörung geprägten Welt, um Götter, die auf Erbsengröße geschrumpft sind, um die Ost-Herkunft des Dichters und um die Rolle der Poesie in Zeiten sozialer Medien. Große, über die drei Zyklen hinweg abwechslungsreiche Wortkunst ist das, schließt der Kritiker.
Heike Geißler: Michaela Kohlhaas "Das Rechtgefühl machte ihn zum Räuber und Mörder." So erzählt es Heinrich von Kleist in seiner gleichnamigen Novelle über den Pferdehändler Michael Kohlhaas, der nach erlittenem… Robert Seethaler: Die Straße Die Straße ist nicht im Zentrum der Stadt und nicht an ihrem Rand. Versteckt liegt sie irgendwo dazwischen. Kein Besucher würde sich dorthin verirren, und doch passiert in… Petra Morsbach: Orion Nora lernt bei einem Studentenjob ihren späteren Mann kennen, einen Archivar. Sie wird Lehrerin für Deutsch und Geschichte in einem oberbayerischen Gymnasium, zieht einen… Karl Ove Knausgard: Arendal Aus dem Norwegischen von Paul Berf. Wo ist dein Platz im Leben? Wohin gehörst du? Wo liegen deine wahren Gefühle?Wir schreiben das Jahr 1976. Syvert Løyning ist nach einer…