Tom Franklin

Die Gefürchteten

Roman
Cover: Die Gefürchteten
Heyne Verlag, München 2005
ISBN 9783453012103
Gebunden, 416 Seiten, 21,90 EUR

Klappentext

Aus dem Amerikanischen von Wolfgang Müller. Als die beiden jugendlichen Brüder William und Mack Burke 1897 in Alabama einen einsamen Reiter überfallen, wollen sie eigentlich nur etwas Geld erbeuten, um das erste Mal in ein Bordell gehen zu können. Der dilettantische Raub geht schief und der Reiter, ein örtlicher Kaufmann mit politischen Ambitionen, wird versehentlich erschossen. Die Nachricht von dem Mord verbreitet sich wie ein Lauffeuer in der Region. Und das ohnehin angespannte Verhältnis zwischen der armen Landbevölkerung und den vornehmlich reicheren Städtern und Landbesitzern explodiert, als der Schwager des Ermordeten eine Bande ins Leben ruft und wie ein Racheengel das Land mit Terror und Tod überzieht. Wer sich der Bande nicht anschließt, muss fliehen. Wer auf der falschen Seite steht, wird grausam verfolgt. Der 60-jährige, müde gewordene Sheriff Billy Waite steht allein zwischen den Fronten und muss einem Bürgerkrieg Einhalt gebieten.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 11.06.2005

Das Szenario kommt einem bekannt vor, findet Rezensent Kolja Mensing: Billy Waite, ein einsamer, vom Alter schon etwas lädierter Sheriff, der kurz vor der Pensionierung steht, rafft sich noch einmal auf, um einer Bande, die in der benachbarten Siedlung Mitcham Beat ihr Unwesen treibt, das Handwerk zu legen. Wie sich herausstellt, so der Rezensent weiter, handelt es sich bei der Bande um verarmte Farmer, die whiskygetränkt beschlossen haben, das auf sie herabschauende, wohlhabende Mitcham Beat ein bisschen aufzumischen. Doch Hass und Vergeltung schaukeln sich hoch, bis es unweigerlich zur Katastrophe kommen muss. Wie dieses Ende schon deutlich macht, gehört "Die Gefürchteten" nicht dem Genre des klassischen Groschen-Western an, bemerkt der Rezensent. Doch genauso wenig stehe der Roman in einer Tradition, die in postmoderner Manier mit dem Genre des Westerns spielt. Tom Franklin erzähle einfach eine (übrigens wahre) Geschichte und siedle seine Charaktere in einer "moralischen Grauzone" an, statt sie schablonenhaft gut oder böse sein zu lassen. Kein Wunder also, dass Clint Eastwood Interesse an den Filmrechten angemeldet habe. Dies allerdings nur vorübergehend, denn das Ende empfand er letztendlich als zu blutig und zu brutal, was dem beherzten Rezensent etwas hasenfüßig erscheint angesichts der Tatsache, dass man es hier mit einem Werk vom Kaliber "Spiel mir das Lied vom Tod" zu tun hat.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 02.06.2005

Sehr  beeindruckt ist Rezensent Tobias Gohlis von Tom Franklins Roman "Die Gefürchteten", der die Ereignisse des so genannten Mitcham War aufgreift. Zum Ende des des neunzehnten Jahrhunderts hatte sich aus veramten Landpächtern im Süden Alabamas eine Gruppe Vigilanten gebildet, die unter dem Namen "Hell at the Breech"- am Schlund zur Hölle - raubten und mordeten, bis sie selbst von Stadtbewohnernmassakriert wurden, erzählt Gohlis. Aus verschiedenen Perspektiven betrachte der Leser eine "Welt aus Not, Knechtschaft und Gewalt", wobei die Grundstimmung des Erzählens von Trauer und unendlichem Mitleid geprägt sei. Im Zentrum, so Gohlis, stehe die Figur des vierzehnjährigen Macky, der bereits in der Eingangsszene das Töten lernt und zum "psychopathischen Mörder" wird. Obwohl sich Gohlis in Meinungsäußerungen zurückhält, lässt seine emphatische Nacherzählung nur den Schluss zu, dass Franklin hier mit viel Einfühlungsvermögen ein überaus gelungenes Porträt einer Epoche und ihrer Menschen beschreibt.