Um 1800 formiert sich die ästhetische Moderne in Reaktion auf die sozialen, kulturellen und epistemischen Umbrüche der Aufklärungsepoche. Zu den frühen Zentren der ästhetischen Moderne gehören Weimar und Jena. Hier reflektieren insbesondere Goethe und Schiller die gesellschaftlichen Veränderungen und wissenschaftlichen Paradigmenwechsel ihrer Zeit, indem sie nach Balancen zwischen jenen Gegensätzen suchen, die im Zuge des fortschreitenden Modernisierungsprozesses immer deutlicher zutage treten. Sie fragen nach Vermittlungen zwischen Natur und Kunst, Sinnlichkeit und Vernunft, Antike und Moderne, Idealität und Realität. Da diese Vermittlungen zwangsläufig heikel bleiben, führt das fortgesetzte Streben nach Ausgleich zu immer neuen ästhetischen Versuchsanordnungen, die als spezifischer Beitrag der Weimarer Klassik und ihres Umfeldes zur frühen Moderne gelten können. Reich bebilderte Beiträge aus verschiedenen Fachdisziplinen analysieren das zwischen Normativität und Historizität changierende Kunstverständnis der Weimarer Klassik, ihre spezifisch modernen Antikenbezüge sowie die morphologische Naturauffassung Goethes. Ästhetische Theoriebildung und materielle Überlieferung werden in "wiederholten Spiegelungen" aufeinander bezogen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.05.2015
Oliver Pfohlmann freut sich über diesen von dem Germanisten Thorsten Valk herausgegebenen Sammelband mit dreizehn Beiträgen zu den Ideen und Konzepten, mit denen die Weimarer Klassik auf gesellschaftliche, ästhetische und wissenschaftliche Umbrüche ihrer Zeit reagierte. Dass es dabei nicht um dauernde Harmonisierung und Aussöhnung von Gegensätzen ging, erfährt der Rezensent aus einem Aufsatz von Friedrich Steinle über Goethes Gedanken zur Methodik der Experimentalwissenschaften. Und von Thorsten Valk lernt Pfohlmann Schillers Konkurrenzbewusstsein gegenüber der griechischen Dichtkunst kennen.
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