Das Zeitalter der Kolonialkriege ist in der öffentlichen Wahrnehmung spätestens seit dem Abschluss der Dekolonisierung Mitte der 1970er Jahre zu Ende gegangen. Der Kolonialkrieg gilt als Krieg der Vergangenheit, dem die politische Grundlage entzogen ist. Tatsächlich jedoch knüpfen zahlreiche militärische Auseinandersetzungen der Gegenwart mehr oder weniger offen an das historische Phänomen des Kolonialkriegs an. Sie werden von einer Renaissance der Begriffe Imperium und Imperialismus begleitet, die in neue globale und regionale Ordnungsentwürfe einfließt. Gegenwärtige Ansätze werden häufig durch einseitige historische Referenzen legitimiert, ohne dabei die Vielschichtigkeit der kolonialen Kriegssituation in ihrer vollen Breite zu erfassen. Diesem Defizit setzen die Autoren dieses Bandes einen systematischen historischen Vergleich entgegen. Die elf ausgewählten Beispiele kolonialer Kriegführung spiegeln die historische Entwicklung militärischer Gewalt im Zeichen des Imperialismus von dessen Anfängen in den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts bis zum Abschluss der Dekolonisierung Mitte der 1970er Jahre sowie unterschiedlichste Typen imperialistischen Vordringens wider.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.07.2007
Andreas Eckert vermutet, dass die Zeit der Kolonialkriege noch nicht vorüber ist. Um so wichtiger erscheint ihm der vorliegende Sammelband, der das Thema, wie er angenehm überrascht feststellt, kulturwissenschaftlich und komparatistisch sehr kohärent angeht. Ausführungen über Kriegsbedingungen, konkrete militärische Aktion sowie Diskurse und Erinnerungen zum Krieg führen den Rezensenten zwar nicht zu einer klaren Begriffsdefinition. Das weite Spektrum der vorgestellten Kolonialkriege, zu dem auch Beiträge zum deutschen Kolonialreich gehören, wie Eckert anmerkt, scheint ihn dafür jedoch ausreichend zu entschädigen. Und wenn ein Beiträger den "Krieg gegen den Terror" aufgreift, hat Eckert die Aktualität dieses Bandes wieder vor Augen.
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