Wege aus der Gewalt
Impulse für ein neues politisches Denken

Matthes und Seitz, Berlin 2025
ISBN
9783751820769
Kartoniert, 156 Seiten, 18,00
EUR
Klappentext
Spätestens seit dem russischen Angriff auf die Ukraine im Februar 2022 sieht sich Europa vor das Ende einer Friedensordnung gestellt, die nach 1945 von den sogenannten Siegermächten ausverhandelt worden war und die anhand von Grenzen, militärischer Sicherung und Wiederaufbauhilfen eine fragile Ordnung zu etablieren suchte, die wir westliche Demokratie nennen. Doch was wäre, verstünden wird Demokratie nicht mehr als Staatsform, sondern als die Fähigkeit von lokalen Gemeinschaften, sich selbst zu verwalten? Welche neuen Formen von Verantwortung, von Souveränität und Selbstbestimmung würden aus einem ernst gemeinten Föderalismus erwachsen? Und welches politische Verständnis von Gesellschaft brauchen wir im 21. Jahrhundert für den Frieden, das fragilste und höchste Gut, das wir haben?Anhand historischer Beispiele aus Somaliland, von den Indigenen Nordamerikas und aus der zionistischen Gründungszeit des Staates Israel, aber auch anhand so aktueller Fälle wie der kurdischen Selbstverwaltung in Rojava zeichnet der Kultursoziologe Thomas Wagner die Möglichkeiten föderalistischer Konzepte als geteilter Souveränität nach und zeigt, wie sie die Selbstorganisation ethnischer Gruppen auf innovative Weise mit den Prinzipien moderner, rechtsstaatlicher Demokratien verbinden.
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Info)
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk, 03.02.2026
Rezensent Nils Schniederjann lässt sich gern ein auf Thomas Wagners Essay über neue Perspektiven für die Friedensforschung. Wagner argumentiert, dass dauerhafter Frieden nur dann möglich ist, wenn man sich von staatlichen Strukturen löst. Denn der Staat hat die Kriegsführung zwar nicht erfunden, aber, einmal etabliert, verstärkt sich in Staaten die Tendenz zu kriegerischen Auseinandersetzungen enorm. Was also tun? Wagner schlägt vor, sich außerhalb Europas, zum Beispiel in Uganda, Somalia und Rojava umzusehen, wo kollektive Organisationsformen jenseits der Staatlichkeit zeitweise zu Frieden führen konnten. Schniederjann gesteht zu, dass die Gedanken, die sich Wagner in diese Richtung macht, recht abstrakt und utopisch sind, und dass es nicht ganz leicht ist, sie auf moderne, westliche Gesellschaften im KI-Zeitalter zu übertragen. Auch ist nicht alles, was Wagner hier anbringt, ganz neu - aber dafür, freut sich der Rezensent, gut geschrieben, in einem unakademischen Stil. Jedenfalls ist es erfrischend, so das freundliche Fazit, dass in Zeiten grassierender Aufrüstungsrethorik jemand den Versuch unternimmt, andere Wege zu beschreiten.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.01.2026
Rezensent Alexander Gallus kann Thomas Wagners mit "Verve" vorgetragenem Versuch etwas abgewinnen, alternative Denkmuster zu präsentieren, wenn es darum geht, den Staat als das Gegenteil eines Friedensstifters zu sehen, nämlich als Verursacher von Kriegen und Verhinderer von Frieden. Wie der Autor gegen Hobbes und andere Fürsprecher des Nationalstaats wie etwa auch Herfried Münkler argumentiert, mit ethnologischem, politischem und historischem Sachverstand und "visionärer Utopie", beeindruckt Gallus. Beispiele für nichtstaatliche Friedensordnungen von Somaliland bis zu den Kurden in Rojava überzeugen den Kritiker zwar nicht immer, da der Autor vieles aus dem Kontext nimmt, so Gallus, anregend scheint dem Rezensenten Wagners "unkonventionelle" Perspektive aber allemal.