Thomas Metscher

Welttheater und Geschichtsprozess

Zu Goethes Faust
Peter Lang Verlag, Frankfurt am Main 2004
ISBN 9783631396599
Kartoniert, 394 Seiten, 39,80 EUR

Klappentext

Im Mittelpunkt der in diesem Band gesammelten Arbeiten stehen zwei verbundene Fragen: die nach der Darstellung geschichtlicher Prozesse in Goethes "Faust" und die nach der besonderen Theaterform, in der diese Darstellung erfolgt. "Faust" wird verstanden als tragikomisches Welttheater, dessen zentraler Gegenstand die bürgerliche Gesellschaft in ihrer geschichtlichen Bildung ist, in einer zweiten Dimension der Prozeß der europäischen Zivilisation von seinen archaischen Ursprüngen bis in die historische Konstellation der Moderne. Die Hauptstudien werden von einer Reihe ergänzender Texte begleitet. Sie betreffen Goethes Weltanschauung, das Zeitalter Goethes als Epochenprofil, Tragödie, Komödie und Tragikomödie als Gattungsbegriffe, Positionen der Forschung, den Streit um "Faust".

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 18.08.2004

Im Vergleich zu anderen jüngsten Veröffentlichungen im germanistischen Goethe-Kosmos nehmen sich Thomas Metschers Studien etwas altbacken aus, gesteht Eckehart Krippendorf und will doch dem lang gedienten und hoch gebildeten Literaturwissenschaftler seine Anerkennung nicht versagen. Einst provozierten Metschers marxistische Ansichten die akademische Zunft, erinnert sich Krippendorf und weist darauf hin, dass der Autor für diesen Band Aufsätze aus den letzten dreißig Jahren gesammelt und teilweise noch einmal überarbeitet hat. Damit liegen sie nun in geschlossener Form vor, stellt er befriedigt fest. Eine gewisse Rührung stellt der Rezensent bei sich fest, weil Metscher "seiner Goethe-Lesart" und seiner der marxistischen Fortschrittsphilosophie verpflichteten Perspektive treu geblieben sei. Goethe dürfte an diesem geschichtsphilosophischen Korsett, das ihm der Germanist verpasst, nur bedingt seinen Spaß gehabt haben, orakelt Krippendorf, denn von der "Logik der Weltgeschichte" hätte dieser gar nichts gehalten; doch ohne die engagierten Beiträge Metschers wäre die Goethe-Forschung um einiges ärmer, hält er die Fahne des Autors hoch.
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