Fatma Aydemir

Doktormutter Faust

Das erste Theaterstück von Fatma Aydemir
Cover: Doktormutter Faust
Suhrkamp Verlag, Berlin 2024
ISBN 9783518432099
Broschiert, 160 Seiten, 18,00 EUR

Klappentext

In ihrem ersten Theaterstück durchleuchtet Fatma Aydemir den klassischen Faust-Stoff mit machtkritischem, feministischem Blick und interessiert sich dabei für zwei gegenwärtige Tendenzen: den Personenkult emanzipatorischer Bewegungen und die Gefahr des rechten Populismus. Professorin Dr. Margarete Faust hat ihr Leben der universitären Forschung gewidmet. Im fortgeschrittenen Lebensalter hat sie endlich ihren eigenen Lehrstuhl und wird von ihren Studierenden als Ikone der Genderstudies verehrt. Der rechten Regierung in Deutschland ist sie längst ein Dorn im Auge und als publik wird, dass Faust einer Studentin im Ausland zur Abtreibung verholfen hat, bricht ein Shitstorm über sie herein, der ihr Karriereende bedeutet. Diesen Moment nutzt Mephisto, um Faust an die sinnliche, körperliche Dimension des Lebens zu erinnern und führt ihr Karim zu. Karim ist homosexuell, braucht einen Aufenthaltsstatus und Faust als Doktormutter. Faust, erotisch angezogen von Karim und lustvoll getriggert von Mephisto, begibt sich in ein Spiel der Grauzonen aus Verführung, Interessenskonflikten, Überschreitungen, in dem die Machtverhältnisse eine Eigendynamik entwickeln und damit auch die Frage nach Opfer- und Täter:innenrollen: Braucht es hier überhaupt noch ein Gretchen?

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 12.11.2024

Auf der Bühne funktioniert Fatma Aydemirs szenische Faust-Umschrift möglicherweise gut, kann sich Rezensent Michael Köhler vorstellen, den Text selbst hält er für nicht durchweg gelungen. Faust ist hier, erfahren wir, eine Frau, genauer gesagt eine Forscherin im Fach Genderwissenschaften, während um sie herum Neurechte an Macht gewinnen und sie aufgrund ihrer Unterstützung bei einer Abtreibung angreifen. Außerdem mischt der Teufel mit und hetzt ihr den verführerischen Karim auf den Hals, einen Asylbewerber, bald steht Machtmissbrauch im Raum. Faust wird also neu verpackt als MeToo-Erzählung, beschreibt Köhler, der das für eine ziemliche Komplexitätsreduktion hält, schließlich fallen dabei diverse Menschheitsfragen unter den Tisch. Außerdem wird Gretchen in dieser Version abgeschafft, die Gretchenfrage wiederum bezieht sich letztlich nur noch darauf, ob es so etwas wie literarische Klassiker überhaupt noch braucht, beschreibt der Rezensent. Schwung hat das Stück schon, gesteht Köhler Aydemir zu, und der Text holt den Faust zweifelsohne in die heutige Welt - auf der Strecke bleiben freilich die poetische Kraft des Originals und das Teuflische, das in allem Menschlichen steckt.

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