Hans Joachim Kreutzer

Faust

Mythos und Musik
Cover: Faust
C. H. Beck Verlag, München 2003
ISBN 9783406504648
Gebunden, 187 Seiten, 29,90 EUR

Klappentext

Die Geschichte von Faust, dem Sinnbild des menschlichen Erkenntniswillens um jeden Preis, ist zu einem Schlüsselmythos der Neuzeit geworden. Auf der Grundlage von Goethes Drama lebt dieser Mythos seit dem 19. Jahrhundert vor allem in der Musik fort. Die frühen Überlieferungsstufen der antiken Mythen erfordern oft komplizierte Rekonstruktionen. Der wirkungsmächtigste Mythos der Neuzeit jedoch, die Erzählung von Faust, ist 1587 mit einem Schlage vorhanden. Hans Joachim Kreutzer analysiert die Ursprungsgestalt des Mythos und seine Erscheinungsformen in der Welt des Musiktheaters, von der romantischen Oper bis in die unmittelbare Gegenwart. In der Musik erfährt, auf der Basis von Goethes Drama, der Faust-Mythos eine Art von Wiedergeburt.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 27.03.2004

Der Mythos Faust ist, so die grundlegende These von Hans Joachim Kreutzer, nach Goethe vor allem in der Musik lebendig geblieben und zum Gegenstand zahlreicher Bearbeitungen geworden. Diesen nun geht Kreutzer nach, von Faust-Opern von Ignaz Walter (1796) und Louis Spohr (1816) bis in die achtziger Jahre des letzten Jahrhunderts, in dem 1989 der "Doktor Faustus" des promovierten Germaniste Giacomo Manzoni entstand, erklärt der ror. zeichnende Rezensent. Gerühmt werde Ferrucio Busoni als "der belesenste, gelehrteste, gebildetste unter allen komponierenden Faust-Dichtern" und erwähnt werde auch Unvollendetes wie der Libretto gebliebene Faust von Hanns Eisler, schreibt unser offenbar zufriedener Rezensent.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 16.09.2003

Zwar absolviert Hans Joachim Kreutzers Buch "Faust - Mythos und Musik" nach Ansicht von Rezensent Andreas Dorscherl brav sein Programm: "In solider Manier und angenehmem, nur zuweilen betulichem Deutsch" erläutert es Ursprungsform des Faust-Mythos und stellt seinen Weg in die Welt der Musik und die Werke des Musiktheaters vor. Dennoch findet Dorscherl die Studie schlicht "enttäuschend". Das liegt vor allem daran, dass Kreutzer weder dem Aspekt des Mythos noch dem der Musik wirklich gerecht werde, wie der Rezensent bemängelt. Dorscherl diagnostiziert nachgerade ein "Ausweichen vor der Musik": Die einzige Note des Buches finde sich auf dem Schutzumschlag. Das sei bezeichnend für ein Reden über Musik, so der Kritiker, "das sich im Pauschalen am wohlsten fühlt." Auch mit dem Mythos ist es für den Rezensenten nicht weit her. Dorscherl hält Kreutzer vor, nirgends zu klären, was darunter zu verstehen sei und die Diskussion um das Thema in den letzten Jahrzehnten nicht wirklich aufzunehmen. Statt einen "tragfähigen Begriff" des Mythos zu erarbeiten, setze Kreutzer das Wort als eine "überflüssige Reklamefloskel" ein, um seinen Stoff interessanter zu gestalten. "Das substantielle Problem von Mythos und Musik", resümiert der enttäuschte Rezensent, "kommt so gar nicht erst in den Blick."
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.05.2003

Gustav Falke ist gespalten. "Einesteils" biete Kreutzers Bändchen, schreibt er zunächst, "ein schönes Beispiel für Nutzen und Notwendigkeit fachübergreifender Kenntnisse." Auf der anderen Seite zeige der Autor jedoch im Grunde nur, dass in der Oper des neunzehnten Jahrhunderts auch "die irgendwie musikalischen Elemente" des Faust-Mythos behandelt werden. So sei der Faust-Stoff dann also eigentlich doch je nur ein Stoff unter anderen. Der Zusammenhang zwischen der Faust-Urgeschichte, Goethe und der Oper bestehe nur in den Interessen des Autors, folgert der Rezensent, aber "als These lässt er sich nicht formulieren". Darum seien dann auch "dem Einströmen von Bildungsgut aller Art keinerlei Grenzen mehr gesetzt" und vielleicht, damit schließt Flasch, zeige sich eben darin "die Kehrseite von Interdisziplinarität. Es fehlt die disziplinierende Macht etablierter Methode."
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