Mehr als jedes andere seiner Bücher hat dieses seinem Autor den Weltruhm gesichert, verrät Klaus Harpprecht. Er warnt den Leser allerdings, man müsse "geduldige Neugier" aufbringen, um ins "Geflecht" der Geschichte vorzudringen, denn schon im zweiten Satz habe man mit einem langen Cicero-Zitat zu kämpfen, an wieder anderer Stelle setze Mann mit "humanistischem Hochmut" voraus, dass der Leser weiß, was ein "Psychagoge" ist - ein hübscher Diener des Hades nämlich. Die Handlung ist laut Harpprecht schnell nacherzählt: Der alternde Schriftsteller Aschenbach reist in die Lagunenstadt, wo ihn unerwartet die "schmerzlich-zarte Gewalt der Passion" zu dem hübschen Tadzio packt. Eine Cholera-Epidemie rafft Aschenbach schließlich am Tag der Abreise des Knaben dahin. Für den Rezensenten stellt diese Geschichte Thomas Manns gefährliches Spiel mit der "verbotenen Lust seiner Knabenliebe" dar. Sein geheimes Verlangen habe der Autor durch den "Aufwand an antiker Symbolik" zu verschleiern versucht. Doch für Harpprecht verleiht genau dieses "kunstvolle Spiel" von verschleiernder Mythologie und Selbstoffenbarung diesem "Gleichnis der Liebe schlechthin" seinen klassischen Rang.
Heike Geißler: Michaela Kohlhaas "Das Rechtgefühl machte ihn zum Räuber und Mörder." So erzählt es Heinrich von Kleist in seiner gleichnamigen Novelle über den Pferdehändler Michael Kohlhaas, der nach erlittenem… Robert Seethaler: Die Straße Die Straße ist nicht im Zentrum der Stadt und nicht an ihrem Rand. Versteckt liegt sie irgendwo dazwischen. Kein Besucher würde sich dorthin verirren, und doch passiert in… Petra Morsbach: Orion Nora lernt bei einem Studentenjob ihren späteren Mann kennen, einen Archivar. Sie wird Lehrerin für Deutsch und Geschichte in einem oberbayerischen Gymnasium, zieht einen… Florian Illies: Träume aus Feuer Tauchen wir ein in die großen Träume eines großen Mannes: Johannes Kunckel ist ein Magier und Alchemist, der daran glaubt, Gold zaubern zu können. Der brandenburgische Kurfürst…