Heinrich Detering

Thomas Manns amerikanische Religion

Theologie, Politik und Literatur im kalifornischen Exil
Cover: Thomas Manns amerikanische Religion
S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2012
ISBN 9783100142047
Gebunden, 352 Seiten, 18,99 EUR

Klappentext

Heinrich Deterings Buch entdeckt und erforscht einen weißen Fleck auf der Landkarte von Thomas Manns Leben und Werk. Sein Buch erzählt die Geschichte von Thomas Manns bislang unbekannter Beziehung zur Unitarischen Kirche in Kalifornien - eine Geschichte, die vom Verhältnis zwischen Politik und Religion handelt, vom öffentlichen Engagement und von den Aufgaben der Literatur. "Selten, wenn überhaupt je, habe ich ein so lebhaftes und militantes Interesse an irgendeiner religiösen Gruppe genommen", schreibt Thomas Mann 1951. Heinrich Deterings entdeckungsreiches Buch führt in zentrale Bereiche von Thomas Manns Denken und Schreiben im Exil. Es wird ergänzt durch einen Essay von Frido Mann.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 16.02.2013

Eine glänzende Studie erblickt Manfred Koch in Heinrich Deterings Buch über Thomas Manns Verhältnis zur Religion des amerikanischen Unitarismus. Dass die Forschung dieses Thema bislang ignoriert hat, scheint ihm schon etwas merkwürdig. Umso mehr weiß er Deterings auf gründlichen Archivrecherchen basierende Arbeit zu schätzen. Er attestiert dem Autor, Manns Beziehungen zur unitarischen Kirche von Los Angeles, seinen Austausch mit führenden Kirchenvertretern, sein Engagement für die Gemeinde detailreich zu schildern. Erhellend findet er insbesondere die klare Darstellung der Tradition des Unitarismus, dessen humanistischen, pragmatischen und demokratischen Züge Mann überzeugten und ihn auch religiös zum US-Bürger werden ließen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.12.2012

Einen etwas ambivalenten Eindruck hat Heinrich Deterings Buch über Thomas Manns Nähe zum amerikanischen Unitarismus bei Rezensent Lorenz Jäger hinterlassen. Dieses in der Forschung bislang unbemerktes Verhältnis betrachtet er als "merkwürdige Episode" im Leben des Großschriftstellers. Deterings Werk schätzt er insofern als wichtig als es sich erstmals und sehr kenntnisreich mit dieser "Episode" in Manns Biografie befasst. Allerdings sieht er die Sympathie, mit der Detering die unitarische Religion, die in seinen Augen theologisch sehr dürftig ist, skeptisch. Des Autors "Einschwenken" auf diese typisch amerikanische Religion missfällt ihm sichtlich. Hier hätte er sich mehr Distanz gewünscht. Andererseits lobt er wiederum die profunde Darstellung der Entwicklungsgeschichte des amerikanischen Unitarismus, die das Buch bietet. Ob Manns Hinwendung zum Unitarismus mit der Überwindung seiner "ästhetizistischen Privatreligionen" gleichzusetzen ist, wagt Jäger zu bezweifeln. Er wirft dagegen die Frage auf, ob hier nicht ihr "neues Umkippen in eine weitere, nur diesmal aufklärerisch und humanistisch geprägte intellektuelle Sonderreligion" zu beobachten ist.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 01.12.2012

Rezensent Friedrich Wilhelm Graf verneigt sich vor Heinrich Deterings großer Arbeit über Thomas Manns Verhältnis zum protestantischen Christentum. Dem Autor gelingt in seinen Augen Erstaunliches: neue Einsichten und Erkenntnisse zu einem ausgiebig erforschten Themengebiet zu liefern. So erschließt Detering für ihn nicht nur neue Quellen, sondern vermittelt eine aufschlussreiche Neubestimmung von Manns Weg von einer "von Todesmetaphysik geprägten Kunstreligion hin zum pragmatischen lebensbejahenden Tatglauben" der amerikanischen Unitarier. Graf rekapituliert die Ausführungen Deterings über das Engagement des Schriftstellers für die fortschrittliche unitarische Gemeinde in Los Angeles, seine Beiträge zum Gemeindebrief und den Kampf gegen die Einschränkung von Bürgerrechten. Besonders unterstreicht er die Zusammenhänge zwischen Leben und Werk, die durch Deterings Arbeit sichtbar werden. Er lobt die philologische Sorgfalt und Genauigkeit des Autors und hebt die "spannenden Dokumente" hervor, die sich im Anhang des Buchs finden.
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