Mehr als jedes andere seiner Bücher hat dieses seinem Autor den Weltruhm gesichert, verrät Klaus Harpprecht. Er warnt den Leser allerdings, man müsse "geduldige Neugier" aufbringen, um ins "Geflecht" der Geschichte vorzudringen, denn schon im zweiten Satz habe man mit einem langen Cicero-Zitat zu kämpfen, an wieder anderer Stelle setze Mann mit "humanistischem Hochmut" voraus, dass der Leser weiß, was ein "Psychagoge" ist - ein hübscher Diener des Hades nämlich. Die Handlung ist laut Harpprecht schnell nacherzählt: Der alternde Schriftsteller Aschenbach reist in die Lagunenstadt, wo ihn unerwartet die "schmerzlich-zarte Gewalt der Passion" zu dem hübschen Tadzio packt. Eine Cholera-Epidemie rafft Aschenbach schließlich am Tag der Abreise des Knaben dahin. Für den Rezensenten stellt diese Geschichte Thomas Manns gefährliches Spiel mit der "verbotenen Lust seiner Knabenliebe" dar. Sein geheimes Verlangen habe der Autor durch den "Aufwand an antiker Symbolik" zu verschleiern versucht. Doch für Harpprecht verleiht genau dieses "kunstvolle Spiel" von verschleiernder Mythologie und Selbstoffenbarung diesem "Gleichnis der Liebe schlechthin" seinen klassischen Rang.
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