Das Thema einer "deutschen Kultur" durchzieht das gesamte Werk von Thomas Mann und nimmt darin eine Schlüsselstellung ein. Dennoch fehlte bis heute eine umfassende systematische Untersuchung. Philipp Gut hat sie nun vorgelegt. In seiner Studie analysiert er Thomas Manns Idee einer deutschen Kultur vom Frühwerk bis zu den letzten Texten. Er kontrastiert den Kulturbegriff mit den Gegenbegriffen "Barbarei" und "Zivilisation" und arbeitet den Wandel heraus, dem Manns Denken in dieser Frage unterliegt. Neben den explizit politischen Texten stehen besonders die literarischen Werke im Zentrum der Untersuchung. Damit gelingt Philipp Gut eine neue Sicht auf den politischen Thomas Mann, der die Problematik der deutschen Kultur in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts in ihrer ganzen Ambivalenz reflektiert hat.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 08.05.2008
Mit großem Interesse hat Manfred Koch die Studie zu "Thomas Manns Idee einer deutschen Kultur" von Philipp Gut gelesen. Der Zürcher Historiker und Literaturwissenschaftler zeichne nicht nur erhellend Manns Konstruktion des Gegensatzpaares "Kultur" und "Nation" nach, mit denen der Schriftsteller die "Überlegenheit deutscher Gemütstiefe" gegen die angeblich nur oberflächliche Zivilisation der westlichen Kriegsgegner im Ersten Weltkrieg abzusetzen versuchte, er mache auch die politische Entwicklung Thomas Manns nachvollziehbar. Ende der 20er Jahre wendet sich Mann dann in Abgrenzung zum Nationalsozialismus gegen seine eigene Begriffsbildung, entnimmt Koch den Ausführungen des Autors. Dass Gut allerdings den Roman "Doktor Faustus" gänzlich als selbstkritische Aufarbeitung der früheren Position liest, geht dem Rezensenten entschieden gegen den Strich. Seiner Ansicht nach wird Gut mit seinem begriffsgeschichtlichen Ansatz dem Roman nicht gerecht.
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