"Endstation Amerika" in Santiago de Chile, "Der Meister und Margarita"
in Moskau, "Pension Schöller: Die Schlacht" in Belgrad, "Dämonen" in
Paris - Frank Castorfs transhistorische und transgeografische Ästhetik
hat ausgehend vom Mutterschiff Volksbühne durch regelmäßige Gastspiele
Theatergänger, Kritiker und Künstler auf der ganzen Welt beeinflusst.
Doch wie verortet sich sein Denken und Inszenieren "einmaliger
Realitäten" im Umfeld anderer ästhetischer, kultureller und vor allem
auch politisch-gesellschaftlicher Kontexte? Wie wirken seine
Literaturadaptionen auf ein russisches Publikum? Wie sein wildes,
existenzielles, auf größtmögliche Freiheit setzendes Schauspielertheater
auf Regisseure in China? Welche gedanklichen Spitzen setzt er? Welche
ästhetischen? Das Arbeitsbuch 2016 stellt die Theaterarbeit Frank Castorfs in ihrer internationalen Wahrnehmung vor, erinnert an seine Anfänge im Vorpommerschen Anklam, kartografiert sein Schaffen an der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 30.08.2016
Ein Jahr vor Ablauf von Frank Castorfs Intendanten-Ära liegen gleich zwei Bücher vor, die Castorfs Wirken dokumentieren, verkündet Peter Laudenbach. Der weltweiten Außenperspektive auf den Theatermann wendet sich dabei das von der Zeitschrift "Theater der Zeit" herausgegebene "Arbeitsbuch Castorf" zu, informiert der Kritiker, dem das Buch zwar ein wenig hagiografisch, aber nicht uninteressant erscheint: Während beispielsweise der taiwanesische Theatermacher Hung Hung von seinem "Castorf-Schock" berichtet, der sein Theaterverständnis neu definierte, liefert ihm das Gespräch zwischen dem Philosophen Boris Groys und dem Dramaturgen Carl Hegemann eine luzide Analyse über Castorfs "zivilisationspessimistisches" Theater und sich neu entwickelnde "postmoderne Faschismen".
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