Günther Rühle

Theater in Deutschland 1887-1945

Cover: Theater in Deutschland 1887-1945
S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2007
ISBN 9783100685087
Gebunden, 1283 Seiten, 39,90 EUR

Klappentext

Dieses Buch wagt den Versuch einer lebendig geschriebenen Geschichte des Theaters in Deutschland von den achtziger Jahren des 19. Jahrhunderts bis 1945, vom jungen Kaiserreich über die Republik bis zum Ende der Hitler-Diktatur. Entwicklungen werden dargestellt: solche wichtiger Theater wie prägender Autoren, Regisseure und Schauspieler; aber auch der Wandel der Themen, der Stile, der Arbeitsmethoden. Der Band macht Zusammenhänge sichtbar zwischen der künstlerischen Arbeit und der Politik, dem Zeitgeist und den gesellschaftlichen Kräften. Günther Rühle nennt es: "Eine Biographie des Theaters".

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 02.05.2007

Wie anschaulich Günther Rühle hier eine vergangene Zeit lebendig werden lasse, ist für Rezensent Thomas Leuchtenmüller schlichtweg "grandios". Wunderbar, neben plausiblen Kurzcharakterisierungen, seien auch Rühles Sentenzen über den Zeitgeist. Aber auch an reinen Fakten habe der Autor hier vieles sammeln können, was kaum bekannt sei, bis hin zu "unverbrauchten" Anekdoten beispielsweise von Frank Wedekind, der seinen eigenen Text vergessen hatte. Lobend erwähnt werden vom Rezensenten auch noch eine Bücherliste und Zeittafeln, um dann zu seiner Kritik im eigentlichen Sinne anzuheben. Auf schweres Missfallen stößt bei ihm Rühles "raunender Ton", sowie sein "stakkatohafter" Stil mit vielen Doppelpunkten. "Drittens" zeigt sich der Rezensent genervt von der Manier, den Namen von Personen erst nach ihrem Auftritt zu offenbaren.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 22.03.2007

Ein Epochenwerk hat Rezensent Rolf Michaelis hier gelesen, ein "gewaltiges Panorama", das die Geschichte des Theaters vom Kaiserreich bis zum Ende der nationalsozialistischen Diktatur erzählt. Ja erzählt, darauf legt Michaelis Wert. Denn mit Günther Rühle schreibe kein "Theaterprofessor", sondern ein Theatermann, der wisse, dass eine Anekdote mitunter erklären kann als ein analytischer Exkurs. Und was das Theater im Kaiserreich für Stoff besorgte! Michaelis ist einfach überwältigt von den kraftvollen Auftritten, in denen ein Josef Kainz zwar den Roten Bäcker in Hauptmanns "Webern" spielte, aber bei der Aufführung in Wien demonstrativ den Brillantring trug, den ihm einst Ludwig II. vermacht hatte. Das Kaiserhaus kündigte trotzdem seine Loge. Und es schreibt auch der Staatsbürger, betont Michaelis, erschüttert darüber, wie barbarisch sich Deutschland 1933 von seinen "besten Kräften seiner Kultur" trennte. Hier erzähle Rühle nicht mehr, betont Michaelis. Er liste nur auf vier Seiten die Namen auf, die nach der Machtergreifung der Nazis das deutsche Theater verlassen mussten. Es sind nur die bekanntesten Namen. Eine vollständige Liste fülle zwei Bände.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.03.2007

Tief beeindruckt zeigt sich Andreas Rossmann von Günther Rühles voluminöser Geschichte des Theaters von 1887 bis 1945; nicht nur wegen der "einschüchternden Monumentalität" von mehr als tausend Seiten ohne Anhang, sondern auch der vielschichtigen Anlage des Buches. Rühle beleuchte die Verflechtungen des Theaters mit Politik und Gesellschaft so "polyphon und perspektivenreich", dass fast keine Rezensentenwünsche offen bleiben. Hier verbinde sich in vorbildlicher Weise die "Akribie des Theaterwissenschaftlers" mit der "Umsicht des Zeithistorikers". Die enge Verschränkung von Zeitgeschichte und Theater resultiert aber auch in der Vernachlässigung von Formen nicht auf die Gegenwart bezogenen Theaters - der einzige grundsätzliche Kritikpunkt, den Rossmann anbringen möchte. Insgesamt habe Rühle aber ein opulentes "kulturgeschichtliches Panorama" geschaffen, "wie es selten ein Buch entfaltet".
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 21.03.2007

Ohne jeden Zweifel ist hier ein Standardwerk über das Theater entstanden, meint Peter Michalzik. Den eigenen Anspruch, eine Biografie des Theaters erzählen, konnte Günther Rühle seiner Meinung nach aber nicht einlösen. Denn das Theater sei zu sehr ein gegenwärtiges Medium, es füge sich nicht in den gesellschaftspolitischen Rahmen, den Rühle ihm verpassen wolle. So kann Michalzik der Auffassung des Autors von einem Organismus, der sich mit der jeweiligen Zeit auseinandersetzt, nicht folgen. Und so löse sich letzten Endes auch die große Erzählung, die Rühle im Kopf hat, doch in die Geschichte einzelner Namen und Aufführungen auf. Eher Nachschlagewerk als Lesebuch, resümiert Michalzik. Aber mit "dem Schwung, der Routine und der Anschaulichkeit" geschrieben, für die der Autor bekannt sei. Und außerdem mit einer "einzigartigen und schönen Ernsthaftigkeit" verfasst, die Michalzik trotz aller theoretischen Differenzen offensichtlich rühren kann.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 20.03.2007

Höchste Anerkennung zollt Rezensent Christopher Schmidt diesem voluminösen Band über das Theater in Deutschland zwischen 1887 und 1945, das Günther Rühle vorgelegt hat. Er sieht darin ein neues "Standardwerk" zum Thema, nicht zuletzt dank seines Respekt einflößenden wissenschaftlichen Anhangs. Rühles Schilderung der Epoche findet Schmidt ebenso sachkundig wie anschaulich und gewandet. Die chronologische Darstellung wird zu seiner Freude immer wieder durch Vorwegnahmen, Rückbezüge, summarische Zwischenbilanzen, biografische Skizzen, Schilderungen von Stücken und Inszenierungen aufgelockert. Gelungen scheint ihm zudem die Einbettung in die zeitgeschichtlichen, kulturellen und politischen Kontexte. Insgesamt bescheinigt dem Autor, Theater als "lebendigen Organismus" begreifbar zu machen.
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