In "Abendspaziergang mit dem Kater" erzählt Thomas Hürlimann von seiner Herkunft und den Wegen zum eigenen Schreiben und Denken. Er zeigt sich als kritischer Verteidiger der Schweiz und begeisterter Anhänger ihres größten Dichters Gottfried Keller, als leidenschaftlicher Polemiker und empfindsamer Beobachter. Die Texte aus vier Jahrzehnten reichen vom fantasievollen literarischen Kabinettstück bis zum aufsehenerregenden Bericht seiner Krankenhauserfahrungen. Aber selbst wenn Thomas Hürlimann über Krankheit und Tod nachdenkt, tut er es mit Eleganz, Leichtigkeit und tröstender Heiterkeit. Denn durch seine Texte spaziert ein zugelaufener Kater, und ein "Abendspaziergang mit dem Kater" endet immer mit dem neuen Morgen.
Rezensent Ulrich Rüdenauer folgt der Passionsgeschichte Thomas Hürlimanns mit Anerkennung. Hürlimanns Fähigkeit, Autobiografisches mit Literarischem und Historischem zu verbinden, persönliche Bildungsgeschichte, Agonie und Trauer mit Betrachtungen zum Kliniksystem in der Schweiz etwa, findet Rüdenauer erstaunlich. Wenn Hürlimann dabei auch noch witzig ist, ohne aber die "biografische Dringlichkeit" zu kassieren, dankt es ihm Rüdenauer, weil er beim Lesen keine Scham verspüren muss. Ernstes, Parodistisches und ein Gottfried-Keller-Porträt unterhalten Rüdenauer auf kluge wie mitreißende Weise.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 21.12.2020
Rezensent Michael Braun folgt Thomas Hürlimann und seinem Kater durch Erzählungen, die den Leser mit religiösen Fragen konfrontieren. Indem der streng katholisch erzogene Autor Todeserfahrungen behandelt, über die eigene Krebserkrankung schreibt, sich mit Marienerscheinungen auseinandersetzt, macht er den Leser laut Braun mit Schlüsselerlebnissen seines Lebens und Schreibens bekannt. Ob in der Trauerrede für den früh verstorbenen Bruder, in einem komischen Ärztereigen aus Hürlimanns eigener Klinik-Odyssee, in der Schilderung eines Autounfalls oder auch in Porträts zu Gottfried Keller - immer spürt der Rezensent die Verbindung zwischen Werk und Tod und die "skeptische" Weltsicht des Autors.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.12.2020
Jochen Hieber wünscht sich Thomas Hürlimann ganz oben auf die Bestsellerliste. Hürlimanns neuer Band mit Geschichten und Aufsätzen erwärmt ihm das Herz ob Hürlimanns Verstandes- und Gefühlsbeschreibungskunst, seines prägnanten Stils und seiner Themenvielfalt. Ob der Autor über Gottfried Keller oder die Stationen seiner Krebserkrankung schreibt oder über Treppe, Katze, Holz meditiert, stets fühlt sich Hieber klug und anregend unterhalten, sogar, wenn er den Text bereits aus früheren Veröffentlichungen kennt. Hervorheben möchte der Rezensent einen Text, in dem Hürlimann erklärt, was wir an Gott haben. Für Hieber eine weniger fromme denn fesselnde "literaturtheologische" Meditation. "Hohe Prosa", findet er.
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