Gottfried Keller

Die Leute von Seldwyla

Erzählungen
Reclam Verlag, Ditzingen 1993
ISBN 9783150061794
Kartoniert, 701 Seiten, 11,10 EUR

Klappentext

Pankraz, der Schmoller - Romeo und Julia auf dem Dorfe - Frau Regel Amrain und ihr Jüngster - Die drei gerechten Kammacher - Spiegel, das Kätzchen - Kleider machen Leute - Der Schmied seines Glückes - Die mißbrauchten Liebesbriefe - Dietegen - Das verlorne Lachen .

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 28.05.2003

"Von dem altväterischen Ton darf man sich nicht stören lassen", eröffnet Jens Jessen seine Besprechung von Kellers Geschichten; denn der sei "blanke Ironie" und wirksames Mittel, den zerstörerischen Einbruch des Kapitalismus in die "Großvaterwelt" des Städtchen Seldwyla darzustellen. Denn die Betulichkeit dieser Sprache sei das Vehikel von Kellers Kritik am Neuen: Wie einer, "der heute Jeans als Nietenhosen" bezeichnen würde, habe er seinen Zeitgenossen vorgeführt, wie die gesellschaftliche Mode sie manipuliert habe. Keller sei deshalb gerade nicht altmodisch, sondern überaus aktuell; Jessen zufolge war er "der erste konsequent antikapitalistische Erzähler des 19. Jahrhunderts" und ein so genauer Beobachter des moralischen und kulturellen Verfalls, der mit dem Profitinteresse Einzug hält, dass man sich von ihm auch heute noch mit Erkenntnisgewinn lesen könne. "Wirklich modern" aber sei, so Jessen, "seine Diagnose, dass es am Ende im kapitalistischen Wettbewerb keine Sieger gibt".
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