Theophile Gautier

Jettatura

Novelle
Cover: Jettatura
Dörlemann Verlag, Zürich 2006
ISBN 9783908777212
Gebunden, 224 Seiten, 17,80 EUR

Klappentext

Aus dem Französischen und mit einem Nachwort von Holger Fock. Paul d?Aspremont folgt seiner schönen Verlobten Alicia Ward nach Neapel, wohin sie ihrer angeschlagenen Gesundheit wegen gereist ist. Er freut sich auf das Wiedersehen, doch das geflügelte Wort "Vedi Napoli e poi mori" - "Neapel sehen und sterben" wird für ihn zu einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung. Die abergläubischen Neapolitaner sagen dem jungen Franzosen den bösen Blick nach. Muss er sich von seiner Liebe lossagen, um Alicia zu schützen? In dieser phantastischen Novelle ergründet Theophile Gautier unsere innersten Ängste und erzählt, wie selbst im Zeitalter der Vernunft Leidenschaft über Logik zu siegen vermag.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.04.2006

Neapel. Eine Reihe von seltsamen Zufällen lassen den jungen Paul d'Aspremont unter den Verdacht fallen, er habe den bösen Blick. Schriebe Theophile Gautier nur über Sinn und Unsinn des Aberglaubens, seine Novelle wäre nicht von so großem Interesse, glaubt der Rezensent Tilman Spreckelsen. Gautier schildere denn auch vielmehr, wie Paul sich selbst mehr und mehr in dem Glauben verfängt, er besäße tatsächlich den "bösen Blick", seine Augen zunehmend als "dominant" und "bedrohlich" erlebt, und sich schließlich - um sich und andere zu retten - selbst blendet, ohne dass diese Tat den Tod der Geliebten und des Nebenbuhlers verhindern könnte. Besonders gefallen hat dem Rezensenten dabei die von Gautier inszenierte Autonomie der Augen, wie sie schon gleich zu Beginn der Novelle in einer Passage beschrieben wird. Die Augen, so der Rezensent, sind es, welche blicken, sie selbst färben sich in unerwarteten Farben, um dann wieder unversehens zu ihrem unbedrohlichen Aussehen zurückzukehren. Ein "flirrendes kleines Kunstwerk" ist dieses Buch, resümiert der Rezensent.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 11.04.2006

Kunst- und lustvoll zugleich sei Gautiers Novelle geschrieben, erfreut sich Rezensentin Barbara Villiger Heilig an dem "erzählerischem Bijou" des 19. Jahrhunderts. Schon die Ankunft des Hauptdarstellers Paul im Hafen von Neapel sei ein Fest für die Augen des Lesers, denn Gautier könne den Golf von Neapel "wie mit der Filmkamera" festhalten. Der junge Paul fängt sich in Neapel den "bösen Blick" ein, er wird als Unglücksbringer verschrieen. Als aufgeklärter Mensch glaubt Paul zunächst nicht an solche übersinnlichen Phänomene, doch irgendwie ereigneten sich um ihn herum ständig rätselhafte Unfälle. Gautier selbst, informiert die Rezensentin, hat selbst eine Schwäche für abergläubische Erklärungen gehabt, in "Jettatura" jedoch lässt er den Leser gekonnt im Unklaren, ob etwas dran ist an Pauls "bösem Blick". Gautier bediene sich geschickt bei den Erzählmustern einschlägiger Liebes- und Schauerromane, um sie mit einer steten Ironie in seine formvollendete Novelle zu transponieren. Die Story, analysiert die Rezensentin, handelt von der Möglichkeit des Übersinnlichen, der "eigentliche Text" dagegen von der "Ausweitung der Wahrnehmung durch die Transzendenz der Kunst".
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