2 Bände, herausgegeben und kommentiert von William M. Calder III und Robert Kirstein. Der über Jahrzehnte sich erstreckende Briefwechsel zwischen Mommsen und Wilamowitz-Moellendorff ist eine der bedeutendsten Gelehrtenkorrespondenzen. Der ungemein intensive Gedankenaustausch eröffnet den Einblick in das Werden klassischer Meisterwerke wie Mommsens Staatsrecht und Römische Geschichte und ergänzt sie durch eine Fülle nicht in die publizierten Schriften der beiden Gelehrten eingegangener Materialien und Ideen. Urteile über Personen, Ereignisse und Zustände des akademischen und außerakademischen Lebens und oft scharf formulierte zeitkritische Betrachtungen erhöhen das Interesse des Bandes. Nachdem die lange Zeit verschollen geglaubten Originalbeiträge vor kurzem wiedergefunden worden sind, erfolgt nun eine vollständige und authentische Neuausgabe der Korrespondenz, in der alle Retuschen und Kürzungen, die man bei der Erstausgabe 1935 für notwendig erachtet hatte, rückgängig gemacht sind.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.03.2004
Gerrit Walther findet es nachgerade "mutig", diesen Briefwechsel der beiden Altertumsforscher Theodor Mommsen und Ulrich von Wilamowitz-Moellendorff zu einer Zeit zu publizieren, in denen die Altertumswissenschaften "ums Überleben kämpfen". Was gewöhnlich einen Briefwechsel zwischen Gelehrten interessant macht, Auseinandersetzungen zu Politik und wissenschaftlicher Methodik sowie "allgemeine Lebensweisheiten", sind in diesem Band kaum zu finden, betont der Rezensent, dagegen sei viel vom Alltag in der Familie und an der Universität zu lesen. Die Briefe dokumentieren aber auch, wie Wilamowitz seinen Schwiegervater Mommsens drängte, bestärkte und unterstützte, seine abgebrochene "Römische Geschichte" wieder aufzugreifen und weiter zu schreiben, stellt der Rezensent fest. Als "spannendsten Teil" der Korrespondenz beurteilt Walther die Briefe, in denen die beiden Wissenschaftler über ihre jeweiligen Werke, an denen sie gerade arbeiten, debattieren und sich dabei des öfteren "erbitterte Debatten ums Detail" liefern. Dieser lesenswerte Band dokumentiert sowohl den "Höhepunkt" als auch die "selbstverschuldete Aporie" der Altertumswissenschaften, so der Rezensent angetan, der es am Ende nicht vergisst, die Herausgeber William M. Calder und Robert Kirstein für ihren sehr detaillierten "atemberaubend genauen Kommentar" ausdrücklich zu loben.
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