Großbritannien muss sich nach dem Austritt aus der EU neu erfinden. Wird aus New Britannia einfach nur Little England oder ein Empire 2.0? Birgt der Brexit Chancen?
Nach dem Austritt aus der Europäischen Union wird Großbritannien sich neu positionieren müssen. Das Land könnte auf England (plus Wales) schrumpfen, sollten Schotten und Nordiren lieber in der EU bleiben wollen. Großbritannien wird sich auf der geistigen Landkarte des 21. Jahrhunderts neu verorten müssen. England muss sich intellektuell den Fragen stellen, die dieses Jahrhundert dem einstigen Imperium aufgibt. Die Globalisierung kann als Chance verstanden werden und die koloniale Vergangenheit als Gegenstand dringend nötiger Aufarbeitung. Britannien könnte aber auch als wirtschaftliche Großmacht und politische Mittelmacht in der Vergangenheit verharren und von einem Empire 2.0 bloß träumen. Damit würde es die Chancen versäumen, die dieser kathartische Moment bringen kann.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 03.12.2018
Alexander Menden findet in dem Buch der Historikerin Tessa Szyszkowitz einen ausgewogenen Blick auf den Brexit. Mittels Alltagsbeobachtung und Analyse gelingt der Autorin laut Menden ein verständlicher Überblick über die Brexit-Voraussetzungen und die innenpolitischen Faktoren der Situation auf der Insel. Die kurzen Kapitel über Kolonialismus, rechte Tories oder russische Oligarchen schätzt der Rezensent für ihren gut dosierten Informationsgehalt, wenngleich nicht viel Neues drinsteht, wie er zugibt. Wenn die Autorin dem Königreich allerdings einen altmodischen Touch andichten möchte, protestiert Menden: Dergleichen findet er unpräzise und wohlfeil.
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