Aus dem Norwegischen von Andreas Brunstermann, Gabriele Haefs und Nils Hinnerk Schulz. Mit Abbildungen. Kaum ein Fluss hat die Menschen derart in den Bann gezogen wie der Nil. Schon aufgrund seiner gewaltigen Länge stellte er Anwohner und Reisende bis ins 19. Jahrhundert hinein vor Rätsel: 6800 Kilometer windet er sich durch Regenwälder, Sumpfgebiete und schließlich die Wüsten Ägyptens, wo man sich wunderte, woher all das Wasser kam. An den Ufern des Nils herrschten Pharaonen, osmanische Kalifen und britische Gouverneure, er wurde zum Rückgrat der kolonialen Erschließung Afrikas und zu einem Schauplatz des Kalten Krieges. In den letzten Jahren wiederum hat sich das Flussbecken so schnell und radikal verändert wie nie zuvor in seiner Geschichte - mit unabsehbaren Auswirkungen auf Natur und Gesellschaften. Terje Tvedt, einer der besten Kenner des Nils, nimmt uns mit auf eine historische und geografische Reise von der Mündung ins Mittelmeer über den Äquator bis zu den Quellen im Herzen Afrikas. So entsteht die Biografie eines Flusses, ohne die auch aktuelle Konflikte wie der Staudammbau in Äthiopien nicht zu verstehen sind.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 08.03.2021
Ganz begeistert bespricht Rezensent Harald Eggebrecht diese "seltene Mischung" aus Geschichte und Geografie, in dem von biblischen Bildern über die Bilder Hollywoods bis zu den heutigen Kämpfen um das Wasser des Nil kaum etwas ausgelassen scheint. Hinzukommen, so der faszinierte Kritiker, die eigenen Reisebeschreibungen und Überlegungen des norwegischen Geografen, der jedoch nie den Fehler mache, sie als abschließende Wahrheiten auf alle anderen Geschichten oben drauf zu setzen. So entstehe ein ungemein umfassendes Bild nicht nur Ägyptens, das immerhin ein Viertel des Buches ausmache, wie Eggebrecht anmerkt, sondern auch aller anderen Nilanrainer, deren nicht selten blutige Geschichte ebenfalls vom gewaltigen Strom bestimmt wurde, dessen Wassermassen vom Kolonialismus bis zum Kalten Krieg eine große Rolle spielten. Das Fazit des Kritikers: "Unaufdringliche Eleganz, gewinnende Beredsamkeit und Klarheit des Denkens."
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.10.2020
Rezensent Andreas Eckert taucht ein in die Geschichte des Nils mit Terje Tvedts "Biografie" des Flusses. Tvedts Beschreibung, wie dem Nil von Geografen und Hydrologen nach und nach seine Geheimnisse entlockt wurden und sein Lauf begrenzt wurde, findet Eckert spannend. Kenntnisreich, faszinierend und informativ führt der Autor laut Eckert von der Prähistorie bis in die Gegenwart, liefert Reiseberichte und schweift hier und da auch etwas zu sehr ab. Lesenswert scheint Eckert das Buch mit seinem Mix aus historischer Analyse, philosophischer Reflexion, Anekdoten und ökologischen Erörterungen allemal, auch weil es neue Perspektiven auf Bekanntes eröffnet und die Flussgeschichte prägende Gestalten von Cleopatra bis Haile Selassie vorstellt.
Julian Barnes: Abschied(e) Aus dem Englischen von Gertraude Krueger. Julian Barnes wird im Januar 2026 achtzig Jahre alt. Er weiß, dass die längste Zeit seines Lebens hinter ihm liegt, und er möchte… Elias Hirschl: Schleifen Franziska Denk wächst im Umfeld des Wiener Kreises auf und leidet als Kind an einer seltsamen Krankheit: Jedes Symptom, von dem sie hört oder liest, bekommt sie sofort. In… Dorothee Elmiger: Die Holländerinnen Mit blinkenden Warnlichtern fährt die Erzählerin, eine namenlose Schriftstellerin, an den Straßenrand, als ein unerwarteter Anruf sie erreicht. Am Apparat ist ein gefeierter… Leila Slimani: Trag das Feuer weiter Aus dem Französischen von Amelie Thoma. Mia, erfolgreiche Schriftstellerin in Paris, kämpft mit "brain fog", einem Gehirnnebel, der ihre Erinnerungen und ihre Arbeit beeinträchtigt.…