Sie alle sind "vom anderen Ufer": der deutsche Außenminister, der Bürgermeister von Berlin, einige Nachrichtensprecher und viele Künstler und Kulturschaffende. Aber gibt es eigentlich einen schwulen Fußballer? Und was würde wohl geschehen, wenn sich der erste outet? Tanja Walther- Ahrens befasst sich in ihrem Buch mit einem heißen Eisen: Homosexualität im Fußball. Diese Männerdomäne schlechthin ist einer der konservativsten Bereiche unserer Gesellschaft: absolut fortschrittsresistent, von der Norm abweichende Lebensformen finden hier keinen Platz.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.06.2011
Rezensentin Ines Geipel findet die von Tanja Walther-Ahrens in "Seitenwechsel" geträumte Vision von einem offenen Sport ohne Ausgrenzung und Diskriminierung zwar sehr "sympathisch", muss aber leider feststellen, wie weit die Vorstellungen der Autorin von der Realität entfernt sind. Trotzdem: Ein informatives Handbuch zum Thema "Homosexualität und Fußball" habe Walther-Ahrens, einst Stürmerin in der Bundesliga und heute Delegierte der European Gay and Lesbian Federation, geschrieben: es versammele viele Geschichten und Interviews - alles ganz skandalfrei und nie voyeuristisch. Nach der Lektüre weiß man, so Geipel: schwule Profi-Fußballer hat es in Deutschland nicht zu geben. Warum? Die Autorin bleibt die Antwort schuldig, so gibt die Rezensentin sie einfach selbst: weil Profifußballer selbst zum Schweigen raten, "homophobe Sportredaktionen" Informationen unter Verschluss behalten oder schlichtweg, weil schwule Profis uncool und ohne "Marktwert" sind.
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