Aus dem Französischen von Hinrich Schmidt-Henkel. In einer nordfranzösischen Hafenstadt plant die örtliche Gaunerbande den Überfall auf das Casino. Der Plan ist ebenso verrückt wie perfekt...
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.05.2009
Rezensentin Anja Hirsch schwelgt hingerissen in Tanguy Viels Gangsterroman und könnte ihn sich auch mühelos als Kinofilm vorstellen. Der 1973 in Brest geborene französische Autor erzählt aus der Perspektive des Ich-Erzählers Pierre von einem geplanten und durchgeführten Kasino-Überfall und bietet dafür sämtliche Versatzstücke eines Gangsterfilms inklusive Mafia, minutiös geplantem Raub und wilder Verfolgungsjagd auf, erzählt die Rezensentin. Das rasante Geschehen erfährt aber immer wieder Verzögerungen, die "Nacherzählung" macht die Geschichte "schöner" als die Erzählwirklichkeit, so Hirsch fasziniert. Ins Schwärmen bringt sie der kühne Plan, die Raubbeute mithilfe eines ferngesteuerten Heißluftballons abzutransportieren und nachts in ein Ruderboot abzuwerfen, denn diese Szene drängt sich ihr als eindrückliche Filmszene auf. Ebenfalls bestechend findet sie die Figur des Ich-Erzählers, der ein selbstbewusstes Gangsterimage zur Schau trägt, hinter dem aber immer wieder "Wehmut" und existentielle Verlorenheit aufscheine.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 21.04.2009
Der 1973 im bretonischen Brest geborene Tanguy Viel lässt auch in seinem dritten Roman wieder seine "Beckett'schen Gestalten" inspiriert durch die Welt stolpern, stellt Franziska Meier fest. Sehr stark sieht sie sich in der Geschichte um eine Gruppe junger Menschen, die das "perfekte Verbrechen" in Form eines Casino-Überfalls planen, an die Filme von Jean-Pierre Melville erinnert, der in den 50er und 60er Jahren den amerikanischen Gangsterfilm in die französische Welt übertrug. Während allerdings die Figuren des Romans die amerikanische Kinowelt mit all ihren Klischees und Überhöhungen als Ausgleich für ihre "defizitäre" Wirklichkeit nutzen, gelingt es ihrem Autor, die Hollywood-Welt heraufzubeschwören, sich ihr hinzugeben und zugleich ihre lügenhafte "Klischeehaftigkeit" offenzulegen, so Meier bewundernd. Lobend äußert sie sich auch zu der Übersetzung ins Deutsche durch Hinrich Schmidt-Henkel, dem es, von kleineren Makeln abgesehen, hier zum zweiten Mal gelungen sei, den zwischen gesprochener und stilisierter Sprache changierenden Stil Viels adäquat ins Deutsche zu bringen.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 20.04.2009
Hans-Peter Kunisch hat diesen Roman als ein Spiel gelesen, ein sehr souveränes Spiel genauer gesagt mit dem Genre, seinen Formen und den Erwartungen des Lesers. Denn absolut perfekt sei das Verbrechen, das hier geschildert wird, mitnichten. Alle an diesem Provinz-Coup gegen ein Küstenkasino Beteiligten werden verhaftet, sobald die Beute verteilt ist. Wie gelungen dagegen der anschließende Rachefeldzug des Ich-Erzählers gegen den mutmaßlichen Verräter ist, darüber äußert sich der Rezensent weniger eindeutig. Wie auch immer: "Schnittig, elegant und spannend" erzähle Viel seine Geschichte und spiele alle Motive des klassischen Krimis so "stimmunsgvoll" aus, dass dem Rezensenten sogar eine Autojagd bei Viel besser inszeniert vorkommt als im Kino.
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