Die Geschwister Cardin sind zu viert. Als Tante Tamara und Onkel Simon sterben, werden am Tag der Beerdigung jedoch nicht nur die Trennlinien zwischen den vier Geschwistern sichtbar, sondern die Gräben in der gesamten Familie. Die Verstorbenen waren es, die alle zusammenhielten. Nun hinterlassen sie neben Uneinigkeit vor allem eine Auseinandersetzung um das Erbe, die schon auf dem Weg zur Trauerhalle ihren Anfang nimmt. Die gefühlte Ungerechtigkeit in der Verwandtschaft ist außergewöhnlich groß - und genau darin ist diese französische Familie so ziemlich gewöhnlich.
Sylvie Schenk hat einen Roman geschrieben, der auf wenigen Seiten poetisch, klar und klug die Geheimnisse einer ganzen Familie ausleuchtet.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 26.02.2019
Die kleinen Fehler, die Sylvie Schenk noch in ihrem Roman "Schnell, dein Leben" von 2016 unterlaufen waren, hat die französische, auf Deutsch schreibende Autorin in ihrem neuen Werk hinter sich gelassen, lobt Rezensent Christoph Schröder. Dicht, "fein gearbeitet und erfahrungsreich" nennt er diesen Roman, in dem Schenk an nur einem einzigen Tag die Dramen einer ganzen Familie entwickelt: Erzählt wird von vier erwachsenen Geschwistern, die zur Beerdigung ihres Onkels und ihrer Tante anreisen und deren zugeschriebene Identitäten nach und nach dekonstruiert werden. Schenks ambivalente Figurenzeichnung und ihr genauer Blick für Details haben Schröder gut gefallen.
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