Die Wissenschaft hat das Rätsel Shakespeare nicht gelöst: Wir wissen nichts über seine Jugend, wissen nicht, wann er nach London ging und warum er im Alter nach Stratford zurückkehrte. Die Wissenschaft weiß nicht einmal, ob es Shakespeare überhaupt gegeben hat. Doch wer Shakespeares ungeheures, von Leben und Menschenkenntnis erfülltes Werk gelesen hat, der weiß: Den Menschen muss es gegeben haben. Armin Senser kommt in seinem ungewöhnlichen Roman dem geheimnisvollen Dichter aus England auf die Spur. In präzisen, rhythmischen Versen entwirft er das mögliche Bild eines Mannes, der ganz zu Literatur geworden ist.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.10.2011
Dass Problem mit der Shakespeare-Biografik, erklärt uns Rezensent Tobias Doering, besteht nicht darin, dass es zu wenig Zeugnisse aus seinem Leben gibt. Das Problem ist, dass die meisten Dokumente einen "biederen Besitzbürger" ausweisen und damit überhaupt nichts hergeben, um uns ein farbenreiches Bild vom großen Dichter zu vermitteln. Der vor fünfzig Jahren in Mode gekommene Shakespeare-Roman geht für den Rezensenten deshalb in Ordnung, und wenn er wie im Falle des Schweizer Dichters Armin Senser als Versroman daherkommt, weckt dies seine Neugier. Senser verwendet 15- bis 20-silbige, reimlose und locker zu Strophen gefügte Langzeilen, erklärt der Rezensent, um die Figur Shakespeare im Zwiegespräch mit seiner Tochter darzustellen und über Glauben und Sex, Dichtung und Leben zu grübeln. Glücklich ist Doering mit dem Ergebnis nicht. "Was ihm am meisten fehlt ist Ironie", stellt er über Sensers Shakespeare fest.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 21.06.2011
Schon wieder Shakespeare? Ja, aber so aufregend und auf seine (emphatische) Art nah dran hat sich Roman Bucheli das nicht vorgestellt. Dass Armin Senser Shakespeares Leben in Versen dichtend nachvollzieht, leuchtet dem Rezensenten bald als absolut logisch ein. Erstens, weil die Fakten so wenig hergeben und dann, weil in der gebundenen Sprache, wie Bucheli weiß, ein reflexives Potenzial schlummert, eine Möglichkeit zu gedanklichen Schärfung, die sich der Autor hier klug zunutze macht. Außerdem, fragt Bucheli rhetorisch: was passte besser zu Shakespeare, als der Gestus der Imagination in Form und Inhalt? Des Dichters Zerrissenheit etwa zwischen Nachtleben und bürgerlicher Geborgenheit, ein zentrales Motiv der hier angestimmten Lebensbeichte, wird dem Rezensenten eindringlich offenbar. Sein Fazit: Nicht ohne Anstrengung, aber dafür auch mit Genuss gelangt der Leser zu einem recht genauen Shakespeare-Bild, soweit das eben möglich ist.
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