Anfang des 20. Jahrhunderts im deutschen Norden. Ruven Preuk, jüngster Sohn des Stellmachers, verfügt schon als Kind über eine außerordentliche musikalische Begabung: Er sieht Töne, und auf seiner Geige spielt er sonderbare Melodien. Das bringt ihm auf dem Dorf, wo das Leben hart und einfach ist, nicht nur Bewunderung ein. Schließlich erkennt auch der alte Preuk, dass mit seinem Sohn nichts anzufangen ist. Verzweifelt versucht er ihm die Töne aus dem Leib zu prügeln. Dann lässt er ihn ziehen. In der Stadt lernt Ruven beim Juden Goldbaum, in dessen Enkelin Rahel er sich ebenso verliebt wie in den Glauben an eine strahlende Karriere. Kunst bedeutet Freiheit und Anerkennung, aber die Nazis legen schon die Gewehre an. Als sein Durchbruch unmittelbar bevorsteht, reißt der Zweite Weltkrieg Deutschland in den Abgrund. Und Ruven muss erneut seinen Weg finden, am Ende aller Melodien.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 25.06.2014
Eine unerschütterliche Verteidigung und ein etwas verworrenes Plädoyer verfasst Sabine Vogel für Svenja Leibers Roman "Das letzte Land". So fasziniert ist sie, dass sie immer wieder in Nacherzählung gerät. Der Roman kann ihr gar nicht symbolisch oder konstruiert genug sein. Beschrieben wird der Werdegang des als Außenseiter abgestempelten Protagonisten Ruven Preuk über Umwege, beide Weltkriege bis hin zu einem Happy-End mit traumhafter Hochzeit, von der Kindheit bis ins Großvateralter. Widergespiegelt wird darin für die Rezensentin das ganze furchtbare 20. Jahrhundert. Und sie ist mitgerissen von unerwiderter Liebe, schlussendlicher "Gerechtigkeit" und natürlich von der Bauernhochzeit, die das Ende des Romans markiert. Ihre Besprechung beschließt Vogel mit dem Bekenntnis, sie sei "den ganzen Roman lang zum Aufheulen berührt" gewesen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.03.2014
Bedauerlich findet Rezensentin Sandra Kegel, dass die Autorin am Ende einer eigentlich berückenden Geschichte in die Kolportage abrutscht und außerdem torschlusspanisch alle möglichen Themen unterzubringen versucht, von der Judenverfolgung über die Heimkinder-Problematik bis hin zu Patchwork-Familien. Der Roman hält das nicht aus, schon gar nicht am Schluss, meint Kegel. Zuvor aber durfte Kegel die Geschichte eines synästhetisch begabten Dorfjungen mitverfolgen. Diese zwischen 1911 und 1975 spielende Erzählung findet sie mit karger Rauheit intensiv präsentiert von Svenja Leiber. Darüber hinaus gelingt der Autorin ein Panorama des ganzen Jahrhunderts. Bis zu einem gewissen Punkt ist das für Kegel durchaus lesenswert.
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