Die Studie untersucht erstmals judenfeindliche Äußerungen im Reichstag der Weimarer Republik und weist nach, dass Antisemitismus ein relevantes Deutungsmuster darstellte. Aus zahlreichen Beispielen der Themenfelder Ostjudendebatten, Barmat-Skandal und Reparationen sowie anhand des Umgangs mit Abgeordneten jüdischer Herkunft erarbeitet das Buch eine Sprache der Judenfeindschaft von manifester Propaganda bis hin zu kulturell eingeschriebenen Wendungen. Der antisemitischen Agitation der Rechtsextremen und den codierten Sprachmustern der Rechten stehen entweder ausbleibende oder zunehmend erlahmende Reaktionen der bürgerlichen und linken Parteien gegenüber. Sie verdeutlichen einen Mangel an Sensibilität für die Macht des Wortes und weisen auf ein Versagen von Teilen der Öffentlichkeit hin.
Rezensent Micha Brumlik bespricht drei Neuerscheinungen zur Geschichte des Antisemitismus, darunter, in kurzen Ausführungen, den vorliegenden Band, den er als ein veritables "Handbuch zur Geschichte des gescheiterten Weimarer Parlaments" dringend zur Lektüre empfiehlt. Besonders bestätigte ihm der Band die Erkenntnis, dass Hetzreden Demokratie wirklich zerstören können. Mit Erstaunen nimmt er auch zur Kenntnis, dass antisemitische Redner - zu denen er auch einige Kommunisten zu zählen scheint - das Programm von Hitlers Ausrottungspolitik schon in der Weimarer Republik recht plastisch skizzierten.
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