In Deutschland versuchten etwa 10.000 bis 15.000 Juden dem nationalsozialistischen Völkermord zu entgehen, indem sie untertauchten. Sie wagten mit Hilfe von jüdischen und nicht-jüdischen Verwandten, Freunden oder ihnen gänzlich unbekannten Personen ein Leben in der Illegalität. Nur etwa 5.000 überlebten. Die meisten dieser Fluchten gab es in Berlin, aber auch in anderen deutschen Städten tauchten zahlreiche Menschen unter, wobei regional ganz unterschiedliche Rahmenbedingungen für ein Leben im Versteck herrschten. Im Zentrum dieser Studie stehen die Schicksale der Juden in München und Oberbayern, die durch Untertauchen vor den Deportationen flüchteten. Susanna Schrafstetter zeigt die Handlungsoptionen und -strategien der Untergetauchten und ihrer Helfer auf, identifiziert Fluchtwellen und thematisiert die Art und Weise, wie sich Deutsche an den Flüchtigen bereicherten.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.01.2016
Hans-Jürgen Döscher empfiehlt Susanna Schrafstetters Analyse von Einzelschicksalen untergetauchter jüdischer Verfolgter in München zwischen 1938 und 1945 allen historisch Interessierten. Akribisch auf breiter Quellenbasis recherchiert und gut lesbar wie einfühlsam verfasst, eröffnet das Buch dem Rezensenten einen Blick auf die Bedingungen des Untertauchens und Überlebens in der Zeit des Nationalsozialismus. Der von der Autorin gezogene Vergleich zu Berlin bietet Döscher zusätzlichen Erkenntnisgewinn. So erfährt er, dass sowohl Untergetauchte als auch Helfer anders als in Berlin in München vor allem dem bürgerlichen Milieu entstammten und dass es sich bei den in Rede stehenden Verfolgten wesentlich um assimilierte Juden handelte.
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