Stewart O'Nan

Westlich des Sunset

Roman
Cover: Westlich des Sunset
Rowohlt Verlag, Reinbek bei Hamburg 2016
ISBN 9783498050450
Gebunden, 416 Seiten, 19,95 EUR

Klappentext

Aus dem Amerikanischen von Thomas Gunkel. Mit "Der große Gatsby" hatte er Weltruf erlangt. Doch das ist lange her. Als Francis Scott Fitzgerald einundvierzigjährig in Hollywood ankommt, scheint seine Alkoholsucht unbezähmbar, seine Frau Zelda lebt, mit einer offenbar unheilbaren bipolaren Störung, in einer psychiatrischen Klinik in Montgomery, das Verhältnis zu seiner Tochter Alabama ist schlecht. Er zieht in die Villenanlage Garden of Allah, wo sich abends eine muntere Schar aus den umliegenden Hollywood Hills am Pool trifft: Humphrey Bogart, Valentino, Joan Crawford, Gloria Swanson, die Marx Brothers.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 09.06.2016

In der großen Erzählung von Aufstieg und Fall F. Scott Fitzgeralds widmet sich Stewart O'Nan ausschließlich dem letzten Kapitel - den miserablen drei letzten Lebensjahren dieses Klassikers der Moderne, der einst zu den Glanzfiguren der zwanziger Jahre zählte. Es ist eine Romanbiografie, aber genau recherchiert, erzählt die höchst eingenommene Rezensentin Ursula März. O'Nan schafft es für sie, genau die richtige Balance aus subjektiver Einfühlung und objektiver Distanz zu halten, um diese faszinierende Niedergangsgeschichte reizvoll zu machen. Hierin liegt für sie auch der Sinn von O'Nans Unterfangen: Natürlich kommt es im Leben eines großen Autors nicht auf die traurigen Details seines Alltags an - und doch wäre sein Werk nichts ohne sie.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.04.2016

Rezensent Thorsten Gräbe ist überhaupt nicht überzeugt von Stewart O'Nans biografischem Roman über F. Scott Fitzgeralds Hollywood-Jahre, die auch seine verzweifeltsten und letzten waren. Gräbe weiß, dass der Autor die Freiheit hat, in einem Roman die Wirklichkeit neu zu erfinden, doch was ihn stört, sind auch nicht O'Nans literarische Hinzufügungen durch Briefe und Szenen, sondern sein proseminaristischer müder Stil. Der aufblitzende Humor zwischen den vom Autor ausgebreiteten Stänkereien zwischen Fitzgerald und seiner Frau Zelda macht die Sache für Gräbe nicht wett.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 26.04.2016

Rezensent Ulrich Baron wundert sich ein wenig, dass sich ausgerechnet Stewart O'Nan, nicht gerade für das Glamouröse bekannt, F. Scott Fitzgerald widmet. Aber in "Westlich des Sunset" geht es auch gar nicht um wilde Partys und Skandale, sondern um den Untergang des Autors in den letzten Lebensjahren, fährt der Kritiker fort. Er liest hier, wie Fitzgerald, während Zelda längst in der Psychiatrie ist, mit der Klatschreporterin Sheila Graham zusammenlebt, wie er in Hollywood versucht, schlechte Drehbücher umzuschreiben, und den Beginn des Zweiten Weltkriegs erlebt. Davon erzählt O'Nan mit Diskretion und Lebensklugheit, lobt der Kritiker, der diesem Buch über eine "verlorene Generation" geradezu eine "historische Dimension" attestiert.
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Rezensionsnotiz zu Die Welt, 16.04.2016

Zusammen mit Emily Waltons biografischem Essay "Der Sommer, in dem F. Scott Fitzgerald beinahe einen Kellner zersägte" bildet Stewart O'Nans Künstlerroman einen reizvollen Erzählbogen, findet Richard Kämmerlings. Beide Bücher würden sich gut ergänzen und zum Nachdenken über das Scheitern anregen, nicht nur über das von F. Scott Fitzgerald. O'Nan setze mit seinem Roman in jenem fortgeschrittenen Moment in Fitzgeralds Leben ein, in dem der als Drehbuchautor in Hollywood begann und sich fortan von Produzenten gängeln ließ. Das Buch liefert ganz nebenbei einen guten Einblick in die Mechanismen der Traumfabrik, so der Rezensent. Außerdem versuche O'Nan, "den bekannten biografischen Fakten innere Notwendigkeit zu verleihen". Konkret heißt das für Kämmerlings: Dem vom exzessiven Leben schon arg gebeutelten Schriftsteller habe in Hollywood schlichtweg "die Kraft für die Welt" gefehlt.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 13.04.2016

Frank Junghänel lobt das große Einfühlungsvermögen Stewart O'Nans, wenn der Autor die Abstiegsgeschichte des Francis Scott Fitzgerald erzählt. Den biografischen Roman hält er für gelungen. Wie das Paar Zelda und Scott sich in Drogen flüchtet, als die gesellschaftliche Anerkennung nachlässt und die Schulden steigen, findet Junghänel gut inszeniert. Die emotionale Gemengelage um das Paar aus Leidenschaft, Feigheit und Mitleid scheint ihm angemessen abgebildet. Nur Hollywood bleibt laut Rezensent schemenhaft und dient dem Autor lediglich als Kulisse für Gastauftritte von Humphrey Bogart bis Marlene Dietrich.