Steven Pinker

Das unbeschriebene Blatt

Die moderne Leugnung der menschlichen Natur
Cover: Das unbeschriebene Blatt
Berlin Verlag, Berlin 2003
ISBN 9783827005090
Gebunden, 713 Seiten, 29,80 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Hainer Kober.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 21.10.2003

Auch in seinem neuen Buch streitet Steven Pinker für eine "allgemeine Akzeptanz einer genetisch und neuronal fixierten 'Natur des Menschen'", erklärt uns der Rezensent Michael Hampe, habe sich jedoch in keinerlei Weise darüber Gedanken gemacht, was es mit dieser "menschlichen Natur" eigentlich auf sich hat. Pinker ignoriert, dass diese schon seit der Aufklärung als Forschungsgegenstand gar nicht mehr "anerkannt" werde, da das Wesen der Dinge und Menschen "kein Objekt der Erfahrung sein kann". Menschlichen Problemen wie auch Ideologien sei nicht mit Erklärungen beizukommen, echauffiert sich der Rezensent, da sie auf "Begründungsstrategien und Differenzen in Sinngebungsverfahren" zurückzuführen sind. Sicher, Hampe hat in Pinkers Buch "Das unbeschriebene Blatt" auch "viele aufregende Passagen" gefunden, insbesondere dann, wenn dieser aktuelle Forschungsergebnisse referiere oder Erklärungsmöglichkeiten durchspiele. "Haarsträubend" gehe es jedoch zu, wenn sich Pinker zu Religion und Kunst äußere, schimpft der Rezensent. Daher empfiehlt er dem Autor auch ohne Umschweife, sich doch bitte in Zukunft wieder auf sein eigentliches Spezialgebiet zu konzentrieren, das er wie "kaum ein anderer beherrsche", der Neurolinguistik.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 09.10.2003

"Das unbeschriebene Blatt" ist der Mythos, mit dem Steven Pinker aufräumen möchte: die politisch korrekte Vorstellung, dass unser Selbst nach der Geburt entsteht, durch Erziehung und Umwelteinflüsse. Dagegen setzt er: die Natur des Menschen, seine Prägung durch die Gene, sein Eingebettetsein in die Evolution des Geistes. Provokante Thesen, findet Manuela Lenzen, aber entziehen könne man sich ihnen nicht, dazu argumentiere die Wissenschaft zu überzeugend - womit sie nicht Pinkers unterhaltsame Art zu schreiben meint, die ihn zum Bestsellerautor gemacht hat. Was also tun, fragt sie sich - müssen wir jetzt die Ideen von Erziehung und Reformen und allem anderen, womit die Gesellschaft ihre Mitglieder verbessern will, fallen lassen? Müssen wir uns eine Einteilung in Dumme und Kluge, Gewalttätige und Friedliche gefallen lassen? Pinker, federt sie ab, "vertritt - natürlich - keinen platten genetischen Determinismus", streitet aber umso vehementer gegen die gegenteilige Doktrin: Sei denn nicht, so sein Argument, die Idee "unbeschriebener Blätter" viel "lebensfeindlicher" als die Vorstellung, dass wir es auch bei Kindern schon mit Persönlichkeiten zu tun haben, "die wir unterstützen und in einem gewissen Rahmen auch erziehen können?"

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 06.10.2003

In den Vereinigten Staaten wurde Steve Pinkers Buch als "Monument der Dritten Kultur" gefeiert, berichtet Rezensent Ulrich Kühne. Es ist in der Tat "ein sehr amerikanisches Buch", meint unser Rezensent, "geschrieben für eine Diskussionskultur, die abgeklärten Europäern vielleicht nur ein müden Lächeln entlockt". Pinker antworte auf eine 1994 in Amerika durchgeführte Studie, die behauptete, dass Schwarze über einen niedrigeren IQ als Weiße verfügen, und die nahe legte, Intelligenz könne genetisch determiniert sein. Diese - eigentlich altbekannte - Debatte um Natur und Kultur in der menschlichen Prägung habe Pinker "versachlichen" wollen. Dabei gehe er von der etwas platten These aus, der Mensch sei bei seiner Geburt "kein unbeschriebenes Blatt", pflege vor allem die "Weisheit der Gemeinplätze", ringe seine zahlreichen Gegner mit unverwüstlichem "common sense" zu Boden und provoziere hier und da. Fragwürdig dabei findet der Rezensent vor allem soziobiologische Anklänge, die nahe legen, man könne durch molekularbiologische Fakten Einsichten gewinnen über die Richtigkeit gesellschaftstheoretischer Ausrichtungen, etwa: Ist die rechte oder die linke parteipolitische Ausrichtung die grundsätzlich richtige für den Menschen? Mit "dieser Art von Soziobiologie" wird Pinker die "humanistischen Grundfesten" jedenfalls nicht erschüttern, schließt Kühne unbeeindruckt.
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